Buch 
Chronologischer Auszug der Geschichte von Frankreich : worinnen nicht nur dieselbe vom Ursprung der Monarchie an abgehandelt, sondern auch das Merkwürdige von andern Völkerschaften erzehlet wird / Aus dem Französischen des Herrn Präsidenten von Hainault, übersetzt, von Carl Friedrich Tröltsch
Seite
412
JPEG-Download
 

Ge^fchich t e v o n Fra n k r e i ch/

Denkvpürdige Begebenheiten unter Heinrich III.

Erst unter dieser Regierung wird das Amt eines Cabinetsecretärs be-kannt ; der Herr von Benoise hatte selbiges, nachdem er vorher» Clerc vonder Cammer gewesen war. (Lauveler du Toe)

Die Lige ist vielleicht das sonderbarste Werk, so jemals in der Ge-schichte gelesen worden, und Heinrich IH. darum der untauglichste Fürst,weil er nicht voraus gesehen, daß er sich dadurch, daß er das Haupt dersel-ben ward, der Herrschaft dieser Parthie unterwarf. Die Protestanten ha-ben ihn als einen Feind ihrer Secte bekrieget, und die Ligiften brachtenihn wegen seiner mit dem König von Navarra, als dem Haupte der Hu-gonoten habenden Freundschaft ums Leben. Da er wegen seines Leichtsin-nes bey denen Catholiken und Hugonoten gleich verdächtig, und durch eineso aberglaubig als unbändige Lebensart allen verächtlich geworden, so schie-ne er, so lange er nicht regierte, der Regierung würdig es war ein unbe-greiflicher Geist, sagt der Herr He Thsu, -in gewissen Dingen überschrit- te er seine Würde, in andern war er geringer als ein Kind." Keine vonden vorhergegangenen Regierungen hat so grose Werke, mehr Anecdoten,Bilder, fliegende Blater rc. geliefert ; es kommen wohl darinnen viel un-nütze Dinge vor, gleichwie aber Heinrich IH. mitten unter seinem Volk leb-te, also hat keine Nachricht von seinem Lebenslauf der Neugierde entgehenkönnen, und da Paris der Schauplatz war, worauf die vornehmsten Er-eignisse der Lige vorkamen, so behielten die Bürger, die den grösten Theildaran hatten, die geringsten Ereignisse, so sich in ihren Augen zutrugen,sorgfältig auf; alles das, was sie sahen, schiene ihnen gros, weil sie dabeyverwickelt waren, und wir sind aufs Hörensagen wegen solcher Sachenaufmerksam, die vielleicht damals mehrentheils keine so grose Neuigkeit in.der Welt waren.

Mit Heinrichs III. Person endiget sich die Linie derer von Valois, wel-che 1328. zu regieren angefangen hatte, und wovon der einzige männlicheZweig Carl, Herzog von Angocheme, Carls IX. natürlicher Sohn war.Man kan fürl was besonders anmerken, daß Francisca von Nargonne, die-ses Herzogs Gemahlin, und folgbar Carls IX. Schnur, erst i7t z. d. i.beynahe 140. Jahre nach ihres Schwiegervaters Tode verstarb. Ich habegemeldet, daß Heinrich II!. zu St. Cloud in dem Hause de Gondi in dernemlkchen Cammer ermordet worden, wo man das PariserBlutbad beschlossen hat; man weiß nun, daß diesesein Märchen ist.

-^ ) .0 ( ^