Buch 
Chronologischer Auszug der Geschichte von Frankreich : worinnen nicht nur dieselbe vom Ursprung der Monarchie an abgehandelt, sondern auch das Merkwürdige von andern Völkerschaften erzehlet wird / Aus dem Französischen des Herrn Präsidenten von Hainault, übersetzt, von Carl Friedrich Tröltsch
Seite
591
JPEG-Download
 

59l

dritte Königliche Linie.

Denkwürdige Begebenheiten unter Ludewig XlV.

erstem mit Holland den ro. August vollzogenem Tractat, grif der Prinzvon Oranken, welcher sich/wie man sagt/ stellte/ darum nichts zu wissenden Herrn von Lurenburg zu St. Dionysius bey Monsden 14. August un-ter dem Vorwand.an, die Belagerung von Mons so die Franzosen unter-nommen hatten so lange aufschieben zu machen / bis der König von Schwe-den Genugthuung bekommen hätte, im Grunde aber wollte er die Fortse-tzung des Krieges/ und dachte den Herrn von Luxenburg zu überrasche«/die-se Unredlichkeit diente nur die Tapferkeit der Französischen Truppen zu er-höhen ; die Schlacht war blutig / und.wir gewannen solche.

Bussi Lamet zwinget seine Frau, nachdem er,ihre Liebeshandel mit der»Marquis von Albrec erfahren, denselben zu sich zu bestellen/ wobey der Mar-quis ermordet worden. Der Herr von Albret war dieser Berufung wegenvermittels eines Urlaubs vom Herrn Marschall von Schomberg von derArmee abgegangen / und der Herr von Louvois schrieb dem Marschall/ daßsich der König verwundere/ daß er einen General ohne seinen eigenen Be-fehl einen Urlaub ertheilt hatte.

4679.

Tod des Cardknals von Netz. Kaum kan man begreifen, wie einMann, der sein Leben mir Cabalen hingebracht, niemals einen gewissen End-zweck gehabt habe. Er machte Streiche, weil er sie liebte, sein Geist warkühn, frey, weitaussehend, und.ein bischen.romanhaft, er wüste das An-sehen zu nutzen, so ihm sein Stand beym Volke gab , und brauchte die Re-ligion zu seiner Politsc; manchmal suchte er sich ein Verdienst aus demje-nigen' zu machen, was er nur dem Ungefehr zu danken hatte, und oftmals,wenn dtt Sache.geschehen war, richtete er die Mittel nach dem Erfolge ein.Er bekriegte den König, und bey seiner Empörung war ihm die Person ei-nes Empörers das angenehmste, er war prächtig und ein Witzling, stür-misch, und hatte mehr Einfälle als Zusammenhang, mehr Grillen als Ab-sichten, schickte sich nicht in eine Monarchie, und besaß nicht was zu einemRepublicaner gehört, weil er weder ein getreuer Unterthan, noch ein guterBürger war. An Eitelkeit war er Cicero, er hatte mehr Künheit als die-ser, und weniger Ehrlichkeit, er hatte mehr Witz, war'aber nicht so groSund nicht so boshaft als Catilina. Seine Memoires sind angenehm zu le-

Ffff 2 sen,