422 Eines altern Mannes Briefe
Der Schatten eines Baumes, mit gelb geworde-nen und halb verwelkten Blättern, kann einen jun-gen, beherzten und muthigen Prinzen nicht erfrischen,von dessen Edelmüthigkeit ich doch das milde Zeugnißerwartet, daß der alte Baum, zur Zeit da er nochgrünete, nicht gänzlich unnütz gewesen.
Ich gehöre zwar nicht unter die Greisen, vonwelchen es heißt: H) kleriscjue lembus leneckus6c oäiolü elk, ut onus le ^etmu Aravius äicunt:lulkmere. Es wäre auch thöricht, sich darüber zuverwundern, daß ich alt geworden, nachdem ich solange gelebet habe, und diejenigen handeln undank-bar , die sich über ihre Jahre beschweren, nachdemsie ihre meiste Zeit mit dem Wünschen zugebracht,zu einem hohen Alter zu gelangen, c) Onmmrn6e leneÄuce ^uerelarum in moribrw melk cul-pa, non in Tmce. Allein, ich gestehe es zur Ehremeines Gewissens, daß die beständige Furcht, worin-ucn ich gelebet, ich möchte, nach Eurer Königli-chen Hoheit eigenem Geschmacke, alle die neuenGegenstände mit meinen dunkelen Äugen nicht wür-dig genug auswickeln können, welche täglich Eurer
König-
lN Vielen Greisen ist ihr Alter so verhaßt, daß sie eine schwe-rere Bürde zu tragen glauben, als der Berg Aetna.
c) Der Grund aller Klagen über das Alter ist in der Auf-führung, nicht in dem Alter zu suchen.