OXXII Lebens-Beschreibung.
Stücke verlohren und sich überredet haben, daß ihm weniger aus' einerredlichen Absicht zu Verbesserung seiner Schrissten, als vielmehr bloßaus einer eitlen Tadelsucht, dergleichen Ausstellungen von mir wärengemacht worden. Er gestand mir daher öffters freywillig, daß,unge-acht es sein Wille und er mir dafür verbunden wäre, wann ich hierun-ter aufrichtig mit ihm umgienge und ihm nichts verschwiege; so würdeer sich doch unmöglich überwinden können, wie gegründet auch meineEinwürffe seyn möchten, dergleichen zu ertragen, fals ich sie nicht miteiner so bescheidnen Art und mit so weniger Eigenliebe vorzubringenwüste. Hingegen änderte er auch sehr viele Stellen aus eignemTriebe, und hätte vielleicht noch eines und das andre nach den Regelnweiter ausbessern können. Allein, er muste mit Recht befürchten,daßer seiner Arbeit dadurch mehr Nachtheil als Nutzen bringen, und daßes ihm,wie dem Griechischen Bildhauer Callimachus ergehen möchte,der deßwegen den Beynahmen Cakizotechnos von seinen Lands-Leu-ten erhielt, weil er seine Kunst-Wercke gar zu sehr auszirckclte, unddaher auch, nach Plinius Erzehlung, ein paar Tänherinnen, die vonihm sehr schön in Stein ausgehauen worden, durch seine allzugrosseAuskünstelung wieder verdarb; indem er ihnen durch allzuviel ange-wandten Fleiß alle das unmuthige und ungezwungene Wesen wiederbenahm, was er ihnen anfangs gegeben, und was ein Leder Kenner zu-vor daran bewundert hatte. Wie nun unser Verfasser über diesesnie müßig seyn kome, und wann er nichts für den Hof in Ceremoniel-Sachen auszuarbeiten hatte, noch eben so fleißig in seinen, hohen Alterlas und schrieb, als ehmahls Varro, Seneca oder Gellius ; so fander seinen angenehmsten Zeitvertreib an seinen Büchern, die er sich, seitmehr als fünfzig Jahren, aus allen Ecken von Europa mit unglaubli-chen Kosten gesammelt hatte. Dann er war so begierig nach einemraren Buche, daß er nicht nur kein Geld ansah, solches zu habm; son-dern auch dergleichen seltene Stücke, wann sie noch so groß waren, vonden entlegensten Orten manchmahl auf der Post kommen ließ; wes-wegen ihm auch von allen Enden die Bücherverzeichnisse zugeschicktwurden. Dadurch hatte er nach und nach, wo nicht eine aantz voll-ständige, doch gewiß eine der auserlesensten Bibliothecken zusammen
gebracht,
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