Paul Heyse.
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sie als gegeben mit dem Gefühle, dass sie sich nicht ändernlässt; sie werden ebenso durchgängig von ihrem Natur-instinct geleitet, wie die Charaktere Balzac’s vom Eigen -nutze. Um zu verdeutlichen, was ich meine, führe ich einpaar Stellen aus den „Kindern der Welt“ an: Als Edwinin Toinette glühend verliebt ist, geht sein Bruder Balderohne sein Wissen zu ihr, um sie zu bitten, nicht aus einerGrille oder im Leichtsinn den Bruder zurückzuweisen undsich an einen Fremden wegzuwerfen. Hierauf bekommt erdie Antwort, dass sie erst jetzt erfahren und begriffen habe,woran es liege, dass sie kein Glück im Leben gewinnenkönne. Sie hat das Geheimniss ihrer Herkunft entdeckt, dassnämlich ihre unglückliche Mutter nur gezwungen in dieGewalt ihres Vaters kam, und daraus erklärt sie sich’s nun,dass sie, wie sie glaubt, nicht lieben kann: „Mein Freund,“sagt sie, „ich glaube, dass Sie es gut mit mir meinen, Sieund Ihr Bruder. Aber es wäre ein Verbrechen, wenn ichmir einredete, Sie könnten mir helfen, jetzt, da ich soklar Alles einsehe, von meinem Schicksal weiss, dass es mirnun einmal im Blute liegt.“ (Die Worte sind im Textegesperrt.) Dies ist für sie der letzte unwiderlegliche Be-weisgrund. Und bei allen Personen des Buches tritt dieseran Aberglauben grenzende Respect vor der Natur hervor.Wie er sich bei Toinette findet, so bei ihrem GegenpolLea. Sie contrastiren in allen Punkten; nur in dieser einenHinsicht stimmen sie überein. Als Lea, die Edwin’s Fraugeworden ist, erfahren hat, wie viel Macht die Erinnerungan Toinette noch über sein Herz besitzt, und als sie währendihrer Trauer einen Augenblick, in einem Buche Edwin’slesend, sich damit tröstet, wie gut sie Vieles von dem, waser geschrieben und was manchem anderen Weibe zu hochsein würde, versteht, wirft sie plötzlich das Buch wiederfort, denn es fährt ihr durch den Sinn, „wie ohnmächtigalles Einverständniss der Geister sei gegen den blinden,unvernünftigen, elementaren Zug der Naturen, der alle.Freiheit knechtet und die Weisesten bethört.“ Sie ist ein