der Landplagen. Z5
Ich muß jetzt nach Holland, sagte er, um so viel zu ver-dienen, daß ich meine Schuld bezahle. Aber ich habe keinReisegeld, und da ich von allen die ich kenne, schon so vielGutes empfangen: so mag ich keinen darum ansprechen;ich muß also doch meine Kuh .... Hier konnte er fürSchluchzen nicht weiter reden, und manche Thräne rolltevon dem abgehcrmten Gesichte — Und wer weis, ob ichaus Holland wieder komme, da ich mich nach einem so trau-rigen Winter schwächlich finde, und mich sehr werde an-strengen müssen, um nur erst so viel zu gewinnen, als ichfür Korn und Heuer schuldig bin?
Ich gab ihm zu seiner Reise, zu seiner Erhaltung fürseine Kinder, — und nun eilte ich der heimlichen Tugendnachzudenken, welche die Noth in manchen Herzen aus-schließt. Wie groß, wie edel, dachte ich, hat sich bey dergegenwärtigen Theurung nicht manches Herz zeigen kön-nen ? Was für verborgne Quellen der Tugend hat die Nothnicht eröfnet.' und wie vielen Dank sind wir der Vorsehungnicht für diese Prüfung schuldig ?
Lange glückliche und wohlfeile Zeiten schläfern den Men-schen endlichem; der Arme wird Erkenntlich, weil ihmleicht geholfen wird, und die leichte Hülfe macht ihn nach-laßig in seiner Arbeit. Der Philosoph spielt mit der bestenWelt, und der Staatsmann mit eitlen Entwürfen. Bloswollüstige Leidenschaften erbeben sich aus der Ruhe, undsinken nach einer leichten Befriedigung wieder dabin. DieTugenden gehen mit den Complimenten ihren ebnen Weg;nichts zwinget zu Erfindungen und großen Entschlüssen;die öffentliche Vorsorge wird schlaff, und alles geht sogleichgültig wohl, daß auch selbst das größte Genie nurhalb entwickelt wird.