72 Schreiben eines Frauenzimmers
in meinem Leben nicht dahin zu reise». Aber hier im Landewo man seit der Zerstörung Jerusalems die völlige Frey-heit gehabt hat, zu tragen was man will, ist es ein aberwi-tziger Einfall; verstehen Sie mich y)? Das beste ist,daßIhre Projekte gelesen und vergessen werden; wäre diesesnicht: so würde ich keine Nacht schlafen können io)°
Inder That, wenn Sie auch nur ein bisgenNachden-ken hatten: so würden Sie so nicht in den Tag hin ein pro-persten. Ich und Ihre Mademoiselle Tochter 11) habenuns eben in die Unkosten eines OeimAalopins und einesLbrpeau 2 la Onscia gestürzet. Wrr haben eben unsreOare ffpiiigles 12) mit einem Oodrec ä Is Lorclinaie ver-sehen lassen. Wir haben uns beyde eine böhmische Kugel-mütze 1 z) angeschaft; und alles dieses sollte umsonst seyn 14)?
Dec-
?) L> ja, mit allem Reipcct gegen den Machtssruch.ro) Was der gute Wille nichtthut, wenn er nur gemacht wer-den darf.
n) Meine Tochter hat mir weiß gemacht, daß sie diese schönenSäcbclchen für ihren kl? v-y eingetauscht hätte, den ich ihrauf dem letzten Jahrmärkte anschaffen muffe,rr) Die Mode hat sich nie systematischer gewiesen, alsdarinn,daß ffe die 6e->rs -pingles „ach den dicken ükiznons aufge-bracht hat. Die dicken Kopse muffen nothwendig Ungezieferzeugen.
rg) Diese waren schon vor vier hundert Jahren Mode: inderLimburglswkn Lhronick, so 1720 zu Weklar wieder'aufge-legt iff, heißt es S. §0. die Frauen trugen Böhmische Ro-getn. die giengen da an in diesen Landen. Die Bogelnstürzt «ine Frau auf ihr Haupt, und stunden ihnen vorneauf zu Lerge über das Haupk, als man die Heiligen mahltmit den Diadcment.
rD Dächte» ste dann eine Mode langer als 8 Tage zu tragen?Sie können gewiß noch zehnmal verändern, ehe der Schneider«ist der Nationalkleidung fertig wird.