Jeder zahle seine Zeche. 181
unterhalten, Wege zu bessern, Richter zu besolden, Fund-linge zu erziehen, Arme zu ernähren, und viele andreNothwendigkeiten, die einen beständigen Zuschuß erforder-ten, zu bcstreiten. Freylich war dieses; allein jedes Kirch-spiel sorgte darin,, für sich. Der Vogt, Kirchspielherr oderGerichtshcrr, wie man ihn nennen will, sammlete erst beyGrase und bey Stroh eine Herbst -und Maybede oder eineJabcbede von seinen Gemeinen, bestritt daraus die kleinenVorfalle u), und was er ersparete, diente zu seinem Staatund seiner Zehrung, oder zur Vergeltung seiner unbercchne-ten Bemühungen. Reichte diese Bede für dasmal nicht zu :so bewilligte man noch wohl eine Nothbede, und jeder steuer-bare Unterthan kannte und übersah ungefehr die Nothwen-digkeit und Verwendung seines Beytrags, ohne eben kost-bare Rechnungen zu verlangen.
Nun haben sich freylich diese Zeiten im Kleinen undGrossen mächtig verändert; und wir haben seit den nieder-ländischen Unruhen und den spanischen Zügen durch Deutsch-land, beständige Landcscassen. Indessen bleibt es doch im-mer eine einleuchtende Wahrheit, daß wann auf Rechnungeiner Landescasse getrunken würde, mancher, der nur einGlas getrunken, für seinen Theil ein Stäbchen zu bezahlenhaben würde, und wir mögen daraus als vernünftige Leutewohl den Schluß ziehen, daß für die Wassertrinker keineMaxime vorthcilhafter sey, als: ein jeder bezahle seine Zeche.
M 3 Müßte
->) Man legt den Landesherr» jetzt überall viele gemeine Ausga-ben auf die Cammcrgcfalle, ohne dabey zu sagen, daß diese Ge-falle zum Theil sehr viele gemeine verdunkelte Steine» ent-halten, woraus jene Ausgaben gehastet haben. Insbesondreaber sind die Herbst-und Maybeden, oder Herbst - undMay-gcldcr alte Steuergesälle; und hieraus müssen mit allenfalsigerHülfe einer Nvtdbede, oder des Kirchspiels Beysteuer,die FünL-linge unterhalten werden. Man sehe indessen des Hr». Dice-canzler swab-n» Recbtl.Bed. r.171.