Band 
Zweiter Theil.
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184
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r?4 Schreiben einer betagten Jungfer

XXXIX.

Schreiben einer betagten Jungfer an den

Stifter der Wittwencasse zu * *

mein Herr, Sie haben es nie empfunden, was esfür eine grausame Sache für ein lediges und betagtesFrauenzimmer sey, von der Gnade seiner Verwandten abzu-hängen; wie erschrecklich eS sey, den Stolz und dicVcrach-tung kleiner naseweisen Niecen mit Freundlichkeit zu erwie-dern ; was die ungesitteten Spöttereycn und die hämischenAnmerkungen aufgeschossener Vettern sür nagende Wundenin ein empfindliches Herz schlagen; und wiesauer es einemwerde, jeden geringen Dienst von einem durch solche Exem-pel verhetzten und boßhaften Gesinde zu erkaufen; sonst wür-den Sie für ein bejahrtes lediges Frauenzimmer eben so gut,wie für hübsche junge Wittwen, gesorget haben.

Ich bin jetzt z8 Jahr alt; und die Frau Oberamtman-nin, bey deren Kinder ich die Stelle einer Tanke Lore, oderwenn Sieden rechten Namen wissen motten, einer Kinder-wartcrin vertrete, ist meines seligen Brudern Tochter. Hierbin ich der tägliche Spott von sechs verzogenen Kindern,und diese Ehre muß ich gegen ihre stolze Mutter, die ich,Gott erbarme es I von den Windeln an gewartet habe, mitunterthanigem Dank erkennen, weil ich meine besten Jahrein meines Brudern Haushaltung aufgeopfert, und da ichnicht für Geld gedienek, auch nichts erübriget, und keineHoffinmg habe, von Fremden, denen ich nicht mehr nützewerden kann, aufgenommen zu werden. Eine grausamereSituation für ein empfindliches Frauenzimmer ist schwerlichzu gedenken. Oft kann ich vor innerlicher Wuth nicht wei-nen, wenn ich des Abends nach einem mühsam hingcqualtcnLage entweder gutwillig oder gezwungen einem Anbeter der

Frau