an den Stifter der Wittwencasse zu * * 185
Frau Oberamtmannin zu Gefallen das Zimmer räumen,und wenn dieser sodenn hönisch hinter mich dareinlachelt,ilni beym Herausgehen noch eine tiefe Verbeugung machenmuß; und wann dann einmal meine Thränen zum Ausbruchkommen, so habe ich oft nicht die Ruhe meinen Schmerz da-durch zu erleichtern, indem bald das Gesinde, was ich gernin Ehrfurcht undDrdnung halten mögte, mir aufs gröbstebegegnet, bald aber die Kinder mich zur Thür heraus wei-ften, ohne daß ich dawider mit dem gehörigen Nachdruck re-den darf. Und beydem allen, was für eine andre Ansucht,al - noch einmal Kinderwarterin zu werden, wenn eine vonmeinen Nieren beyralbek, und die Gnade für mich hat, mirdas Brod in meinem kümmerlichen Alter zu geben? Wahr-lich, mein Herrdieser traurige Stand, unverbeyralhetecFrauenzimmer, ist Ihnen nicht bekannt gewesen, oder Siehaben ein recht sehr hartes Herz, daß Sie nicht auch fürsie eine VerpflegunScasse errichtet haben.
Tausendund aber tausendmal denke ich daran, wie oftmein seliger Bruder wünschte, daß eine Casse seyn mögte,worinn er für mich so gut, wie er für eine Wittwe gethan,ein sicheres Capital legen könnte. Warum, sagte er, sollteich nicht in so fern auch meiner Schwester Mann seyn, undihr damit eine Wittwenrente nach meinem Tode erwerbenkönnen ? Warum sollte sich nicht jedes lediges Frauenzim-mer aufdieseWeife einen Vater,einenOheim, oderFreund,der sie im Leben versorgen kann, und nach seinem Tode inbetrübten Umstanden zurücklassen muß, zu einem Titulair-manne erwählen, und durch denselben in eine Wittwencassegelangen können? Allein man antwortete ihm immer ganzernsthaft: Die Wittwencasse» waren blos um den Ehestandzu befördern; um einen Verdienstvollen unbemittelten Mannin den Stand zu setzen, eine Wahl nach seinem Herzen tref-fen zu können; um ein tugendhaftes junges FrauenzimmerM 5 zu