Band 
Zweiter Theil.
Seite
186
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186 Schreiben einer betagten Jungfer rc.

zu reihen einen solchen Mann glücklich zu machen, und umendlich die spröden Madgen mit Fleiß zu zwingen, sich den-jenigen Unterhalt durch den Ehestand zu erwerben, der ih-nen im ledigen Stande fehlen könnte.

Die Ursachen sind freylich groß, und wenigstens so poli-tisch, wie man sie von Mannspersonen erwarten kann. Ahlein zugegeben, daß sie ihre völlige Richtigkeit haben; zuge-geben, daß es wohl nicht rathsam seyn mögte, Verpflcgungs-anstalten für Madgen von einem gewissen Alter zu machen,weil manche darauf rechnen,um sich entweder den Beschwer-den des Ehestandes, oder dem Dienste bey andern entziehenmögten: so dünkt mich doch, daß ein fünfzigjähriges ledigesFrauenzimmer, daß sich jederzeit unsträflich gehalten, dasim Dienste bey andern einen Theil seiner besten Jahre zuge-setzt, dem man nicht vorwerfen könnte die Hand eines ehrli-chen Mannes ausgeschlagen zu haben; ein solches Madgendünkt mich, sollte von der strengen Regel ausgenommenseyn. Ein solchesMadgen müste alsdann, aber auch nichteher, die Wittwenpension erlangen können, als bis ihr Er-halter und Freund, der an Mannsstatt für sie eingesetzt, zusterben käme. Steht es doch bey ihr, sich einem Manne inder Fremde zum Schein antrauen zu lassen, und mit Hülfedes Trauscheins dcremst Wittwe zu werden; warum willman sie denn zu einem Umwege zwingen, da man ihr aufeinem nähern Wege helfen kann?

Ueberlcgen Sie es doch, mein Herr! ich bitte Sie mithcissen ungesehenen Thränen, ob uns armen Kindern nichtzu helfen sey! Sollte es auch nicht anders geschehen können,als daß jede von Uns dem Staate einen Fündling abneh-men, und denselben zugleich von der Iungfecnpension er-ziehen müste?

Ich bin

Lore . . .

XI..