Band 
Zweiter Theil.
Seite
189
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An einen Officler. 189

Schmeichler den stillen Redlichen, der unruhige Projecten-macher den erfahrnen Cameralisten, und das Schimmerndeallemal das Wahre verdrängen. Der Fürst, wo er wideralle Wahrscheinlichkeit nicht zugleich der größte Mann vonEinsicht und Redlichkeit wäre, würde sich wenigstens inder größten Verlegenheit befinden; oder sich unter demVerwände das Verdienst zu belohnen, zu einem orienta-lischen Despoten erheben, der zuerst aus einem ähnlichenGrundsätze abgereiset ist, wie er einen Sclaven zu seinemersten Minister verordnete, alle Klaffen der Menschen durch-einander mischte, und sich allein zum Ungeheuer machte.Wer ruhig in der Welt leben; wer die Süßigkeit der Freund-schaft genießen; wer den Beyfall der Redlichen behalten,und große Endzwecke befördern wollte: würde seinVerdienstverlaugncn, und sich vor allen äußerlichen Belohnungendesselben mit der größten Sorgfalt inAcht nehmen müssen.

Waren wir Menschen nicht so beschaffen, daß jeder nichtdie beste Meinung von sich selbst hatte: so möchte es frey-lich anders seyn. Allein so lange wir unsere jetzige Naturund unsre Leidenschaften behalten, und so lange es gewisser-maßen nöthig ist, daß jeder eine gute Meinung von sichselbst habe, scheinet mir die Beförderung nach Verdienstengerade das Mittel zu seyn, alles zu verwirren. Schonjetzt ist es im Militairstande eine Art von Gesetz, daß deraltere Officier seinen Abschied nehmen muß, wenn ihm einjüngerer vorgezogen wird. Was würde es dann nicht seyn,wenn das Avancement nach Verdiensten gicnge, wenn aufeinmal der Gcnecaladjutant, der einem alten General jetztzum Rathgeber zugegeben wird, diesem und allen übrigenvorgesetzet würde? Würden hier nicht alle diejenigen öffent-lich gescholten und ausser Stand gesetzt werden, langer zudienen, wenn das Verdienst alles entschiede?

Zwar