Band 
Zweiter Theil.
Seite
191
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An einen Offkcier. 191

Derjenige Staat würde auch sehr unglücklich seyn, dernicht mehrere und viel mehrere Männer von Verdiensten be-säße, als er belohnen könnte; uud bey dieser Voraussetzungwürde es doch immer für sehr viele Menschen unangenehmseyn, sich vorstellen zu müssen, daß die Belohnten auch dievorzüglichsten unter allen waren , und jedes Ordensbandauch den besten Ritter bezeichnete. Jetzt können diese zuihrer Beruhigung denken, das Glück und nicht daS Ver-dienst hat diese erhoben; oder mit dem Dichter sprechen:hier deckt ein grosser Stern ein kleines Herz. Allein wennalles nach Verdiensten giengc: so fiele diese so nöthige Beru-higung ganz weg, und der Schuster, der mit aller Zufrie-denheit an seinen Leisten klopft, solange er sich schmeichelnkann, daß er ganz etwas anders als der Frau Bürgermei-sterin ihre Pantoffeln flicken würde, wenn Verdienste inder Welt geachtet würden, könnte unmöglich glücklich seyn.

Lassen sie also, liebster Freund l Ihren schwermcrischenGedanken von der Glückseligkeit eines Staats fahren, wor-inn alles nach Verdiensten gehen sollte. Wo Menschenherrschen und Menschen dienen, ist Geburt und Alter, oderdasDicnstalter immer noch die sicherste und am wenigstenbeleidigende Regel zu Beförderungen. Dem schöpferischenGenie, oder der eigentlichen Vinü, wird diese Regel nichtschaden; aber eine Ausnahme von dicscr Art ist sehr selten,und wird auch nur schlechte Herzen kranken.

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