Band 
Zweiter Theil.
Seite
309
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an einen philosophische» Kinderlehrer. 309

gen, daß ich offenbar Unrecht habe; besonders, wo ich bloseine unschuldige Handlung an ihr getadelt habe; und dasist durchaus der gewöhnlichste Fall, worinn sich eine Mutterbefindet. Die unschuldige Handlung, welche die nächst«Euiffc oder Gelegenheit zu einer bösen ist, muß schonmir einer üblen Vermuthung verfolgt mch bestraft werden,um die Kinder vorsichtig zu machen. Ein junges Madgen,daS mit einer Mannsperson einsam und allein geht, kannsich mit ihm von Tugend und Religion unterhalten. Ein«Mutter geht aber allemal sicherer, wenn sie ihnen eineschlimmere Materie unterschiebt und ihre Tochter mit keinerEntschuldigung höret.

Man solle dem Kinde, sagen Sie weiter, gar kcineUnsWahrheit, gar keine falsche Gründe sagen; dagegen habe ichnichts. Ist es aber nicht auch eine Unwahrheit, wenn manbittere Arzeneyen in Süßigkeiten verbirgt und einem KindediePillen vergoldet? Ist es nicht allemal eine Unwahrheit,wenn ich dem Kinde die Gefahr zu fallen oder zu ersaufenlebhafter ynd grösser vorwähle wie sie würklich ist, oderihm das Zahnausreissen zum Vergnügen mache? MeineMutter sagte mir hundertmal: Kind, laß die junge Katzegehen, es ist ein falsches Thier, sie beisset oder kratzet dich.Ich antwortete allemal: ach nein Mama, eS ist ein sanftes,possierliches und allerliebstes Thier, sie beißt mich nicht, siestreichelt mich nur. Wenn aber meine Tante mit einem er-schrockenen und vielbedcutenden Gesichte rief: Madgen, laßdie Katze gehen, ihre Haare sind giftig; flugs jagte ich sieweg, besähe meine Hände, und wenn nur das geringste ro-the Fleckgen daran war: so glaubte ich schon vergiftet zuseyn. MeineTante sagte eine Unwahrheit, aber diese rettetemir vielleicht ein Auge, welches eine böse Katze einer kleinenDerwandtin von mir auskratzte. Dieses heißt jedem Alter

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