zio Schreiben einer Mutter an einen philos. rc.
seine Gründe, die es fassen kann, anpassen', und das mora-lische Spielzeug oder die Wiegcnmahrgcn da gebrauchen, woes vergeblich seyn würde von Pflichten, deren Verbind-lichkeit ein Kind nie mit der gehörigen Starke fühlt, zureden.
Alles, waS Sie mir von dem Unterricht des Verstandes,und der Besserung des Willens sagen, verwerfe ich nicht,nur müssen Sie den letzten nicht blos vom ersten abhängenlassen. Besuchen Sie alle Hausmütter aufdem Lande, undbemerken die Art, wie sie ihre Kinder erziehen. Keine einzigeunter ihnen wird sich geradezu darum bemühen, ihren Kin-dern eincnBcgriffvon derMoralitat freyer Handlungen zugeben. Jede wird nach einem praktischen Gefühl die Haupt-leidenschaft ihres Kindes zu seiner Besserung gebrauchen undihm blos den unmittelbaren Schaden vormablcn, den es voneiner bösen Handlung hat. Diesen Weg hat sie die treueErfahrung gelehrt; der unmittelbare Schade, sollte er auchin einer guten Züchtigung bestehen, würket nahcrund schar-fer, als der entfernte, der durch Schlüsse herbey geholt wird.In allen unseren Handlungen liegt zwar ein Schluß zumGrunde, aber es ist falsch, daß wir ihn allemal selbst machen.Der glückliche Mensch wird leichter und schneller geführt alsdurch kalte Uebcrlcgungcn. Dke Leidenschaft, diese edle Ga-be Gottes führt ihn sicherer als die aufgeklärteste Vernunft;und Leidenschaften geben Fertigkeiten; welche zur Zeit derVersuchung treuer aushalten als das Urtheil, was nachGründen gefallet werden soll.
Vielleicht übertreibe ich die Sache auf der einen Seite,aber Sie übertreiben sie gewißauch aufder andern. Dochich habe ihnen heute genug gesagt, daher will ich das übrigeein andermal nachholen.
H.XX.