<8-'K-«-'!SK>!S^:o:üpS
nv.
Ueber die Erziehung der Kinder
auf dem Lande.
^^.ch weiß nicht, was unserm Herrn Cantor in den Kopf«v) kommt. Alle Jungen und Madgen sollen lesen undschreiben lernen; dabey predigt er ihnen einen Cakechismus,der ist so dick wie mein Gesangbuch, und wenn er von derKinder,uchk spricht: so sagt er weiter nichts, als wie glücklichdie Kinder sind, die nicht wie Heyden aufwachsen, sondernlesen und schreiben und auf alle Fragen antworten können.
Nun soll mich zwar der Himmel wohl dafür bewahren,daß ich unsern Herrn Cantor meistern sollte. Allein ich fühledoch, daß die Kinder mehr zur Handarbeit angeführet unddazu von Jugend auf gewöhnet werden mästen: ich fühle,daß das viele Buchstabiren und Schulgehen unsere Jugendvom Spinnerockcn zieht, und daß jetzt kein einziger Jungemehr im Kirchspiel sey, der täglich drey Strümpfe knüttenkann, da sie es in meiner Jugend doch alle konnten. Ich habenun mein achtzigstes Jahr erreicht,und kann sagen,daß ich dieWelt von hinten und von ferngesehen habe. Allein unterallen, die mit mir aufgewachsen sind, war kein einziger, derschreiben lernte. Man sahe dieß als eine Art von bürgerlicherBeschäftigung an, die blos in den Städten und von Leuten,die keinen Ackerbau und kcineViehzucht hatten,getrieben wer«den mäste. Das Lesen, wie nur mein Vater sagte,wäre erstin seiner Jugend unter den Landlcuten Mode geworden; unddieser halte es noch wohl von seinem Vater gehört, daß infeiner Kindheit das ganze Jahr hindurch nur drey Gesänge inder Kirche waren gesungen worden, welche ein jeder aus demKopfe gewust hätte. Darauf wäre erst ein kleines Gesang-U 5 buch