ziL Ueber die Erziehung
buch gekommen; dem sey ein etwas dickerS gefolgt; bis eSendlich zu seiner Zeit zu einer ganzen Dicke angeschwollen sey.Was ist aber von allem die Folge gewesen? Unsre Kinderhabenmindre Lust, Fertigkeit und Dauer zur Handarbeit er-halten; sie haben geglaubt, wenn sie schreiben, lesen und aufalle Fragen antworten könnten: so waren sie besser, als die-jenigen waren, die drey Strümpfe im Tage knütteten....
In der Tbat aber sehe ich doch eigentlich nicht, was daSSchreiben einem Ackermann sonderlich nütze. Wenn er weiß,wie viel Glas Brantcwein oder wieviel Krüge Bier durch«inenStrich an derTafel bezeichnet werdenzwenn er die großeErfindung des Kerbstocks, wovon unser Meyer letzthin ge-schrieben hat, kennet; und wenn er endlich drey Kreuzer zumWahrzeichen mahlen kann: so hat er mcinesErniessens alles,was er von dieser Seite gebraucht. Mir sind wenigstensganze Jahre vorbeygcgangen, ohne daß ich einmal Dinte imHause gehabt habe. Wenn ich etwas an meinen Prokuratorzu schreiben hatte, so sagte ich es dem Cantor: und im übri-gen konnte ich nach mit einem Stückgen Kreite und einemKcrbstock behelfen. DasLcscn kömmtmirblosindcrAirchezu statten, und würde übcxflüßig seyn, wenn wir das ganzeJabr hindurch einerley Gesänge hatten. Wozu nützt es also,daß man unsern Kindern stakt des Flegels die Feder in dieHand giebt, und sie bis ins sechzehnte oder achtzehnte Jahrmit solche» Tandelcyen, die kein Brod geben, herum führt ?Ihre Knochen bekommen keine Harte, und ibre Nervenkeine Starke; und wie manchen versucht nicht eben sein Le-sen und Schreiben nach Amsterdam oder nach Ostindien zugehen, und dort eine Gelegenheit zu suchen, um seinen väter-lichen Acker zu meiden?-Was die Madgen betritt,
o ich möchte keines heyratben, das lesen und schreiben kann.Wissen sie das , so wissen sie auch.
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