Z2» Die Ehre nach dem Tode.
bringen? Keine Chrbegierde ist durch das ganze Leben sodauerhaft und anstrengend als diese, und keiner von ihnenwürde so getreu, so fleißig und so schwer für irgend eineBesoldung oder Belohnung arbeiten, als sie für das Lob-erZukunft thun. Kein Augenblick geht ihnen ungenutzt vor-über, und alles, was andre den Lustbarkeiten aufopfern,das wenden sie mit dem größten Geize für einen gutenNachruhm an.
Jedem ist es nicht gegeben, sich durch gelehrte Werke zuverewigen. Es würde auch gewiß nicht gut seyn, wenndie Ruhmbegierde alle Menschen nöthigte, diese Bahn zulaufen. Für diese nun, die gleichwohl auch ihre Verdienstehaben, die dem Staate vielleicht wichtigere Dienste leisten,und demselben keine mindere Opfer bringen als Gelehrte,sollte jeder Staat durch ein Denkmahl sorgen; so wie dieGriechen und Römer thaten und noch setzt verschiedene em-pfindsame Nationen, obwohl selten thun.
Fallt diese Art von Ehrgeiz ganz: so ist zu besorgen,daß auch die Großen dieser Erden gegen das Lob oder denTadel der künftigen Geschichte gleichgültig seyn werden.Bisher ist es noch immer ein großer BewcgungSgrund fürmanchen Helden und Fürsten gewesen, sein Andenken vondem Fluche der Zukunft und dem Brandmabl der Nach-welt zu bcfreycn. Wenigstens haben solche Fürsten, diestch durchlcinige Thaten im Andenken erhalten werden, im-mer gewünscht, solches unbefleckt zu erhalten, und in dieserAbsicht manches unterlassen, was sie sich sonst wohl er-laubt haben würden.
Vordem starb kein Mensch von Ansehen, ohne nicht we-nigstens eine Lcichenpredigt zu erhalten. Sind dieselbengleich gemißbrauchet worden: so war doch die Absicht, wel-che nian anfänglich dabey hatte, groß und wichtig, und