Buch 
Legenden der heiligen Pelagia / herausgegeben von Hermann Usener
Entstehung
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III

kirche, ihn durch christlichen zuguss zu verdrängen oder zuzersetzen. Diese aufgabe war den legenden gestellt. Undnur zu gut ist es ihnen oft gelungen in dem dicken öl sal-bungsvoller reden die alten mythischen züge zu ersticken odergeradezu das göttlich wunderbare leben des heiligen durcheine monotone martergeschichte zu ersetzen. Die äugen diehier restc alter Umrisse und färbe erkennen wollen, müssenan das dunkel gewöhnt sein, in das die unbewussten Vorgängeder sagenhildung sich hüllen; und wer durch künstliche mitteldas verblasste auffrischen will, läuft gefahr das letzte lesbareZeichen des palimpsests sich selbst zu zerstören. Aber wennnicht der philologe, wer denn soll diese spuren classischenheidenthums beleben und ihrer sich freuen?

Solchen erwägungen eingang hei anderen zu verschaffengehe ich hier eine probe von legenden. Ich hätte geeigne-tere wählen können, beispiele augenfälligerer heidnischer grund-lage. Wer die Schwierigkeit ermisst das an allen enden zer-streute material aufzuspüren und zu heben, wird es begreif-lich finden, dass ^ich ohne wähl gehe, was ich einigermassenfertig zu geben vermag. Dass ich es in diesem falle vermag,verdanke ich der hochherzigen beihilfe, die ich von allenseiten gefunden. Ausser A. MAU, der mir drei römische hand-schrif'ten mit bewährter Sorgfalt verglich, haben M. liONNETund die Orientalisten W. WRIGHT und J. GILDKMKISTER,gewetteifert diese ausgabe zu ermöglichen. Den dank, denich ihnen schulde glaube ich würdiger als durch Worte, durchrasche tliat ahzustatten.

Nicht erst die malerei, schon die alte kirche hat an denreuethränen schöner Sünderinnen besondere freude gehabt. Fürdie verheissung der Sündenvergebung schienen die Sünderinim hause Simons (nach_ der römischen Überlieferung 1 MariaMagdalena), die Samariterin am brunnen, die ehebreclierin

2 s. acta sauctorum juli b. 5, 187 fl'.