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Legenden der heiligen Pelagia / herausgegeben von Hermann Usener
Entstehung
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IV

des Johannesevangelium die gewisseste Bürgschaft zu leisten:sogar der priester vor dem altar beruft sich auf das ersteBeispiel in der messe des Chrysostomos 3 . Es war sehr na-türlich dass das mitgefühl, das man diesen biblischen ge-stalten entgegentrug, sieh immer von neuem in der ausprägungähnlicher typen weiblicher reue bethätigte. Unter den zahl-reichen legenden dieser art kann die erste der beiden hierabgedruckten ein besonderes interesse beanspruchen.

Pei.acia wegen ihres kostbaren perlenschmucks vom volkenur Margarito genannt, die erste ballettänzerin Antiocliiasund durch sünde reich geworden; wird durch' einen zufall, indem sich gottes hand zeigte, in die kirche geführt, als BischofNonnos, ein asket von der strengen regel des Pacliomios, inseiner schlichten weise vom Strafgericht des liimmels und vonder hoffnung der Seligkeit predigte. Erschüttert von den Wortendes predigers weiss sie Zutritt zu ihm zu erlangen, und ihreheissen'zähren überwinden das kanonische bedenken der geist-liclikeit. Sie wird sogleich getauft, obsiegt dem teufel, dersich ihr als alter freund zweimal demütliig naht, und nach-dem sie das taufkleid abgelegt, zieht sie heimlich, nur untermitwissen ihres geistigen erweckers härene manneskleider anund entfernt sich unbemerkt. Der ölberg, wo der herr ge-betet, war das ziel ihrer Wanderung. In enge zelle einge-sclilossen, als frommer mönch Pelagios bewundert, lebt siedort einer den leib zerstörenden bussübung, die sie nachdrei jahren in das verdiente jenseits führt.

Der zweifelsohne maskierte Verfasser, der sich Jakob nenntund als diaconus jenes wirkungsvollen predigers bezeichnet,hat den einfachen stoff geschickt zu gestalten verstanden,indem er sich als betheiligten zeugen in die erzählung ver-flocht und den leser an dem eindruck tlieil nehmen liess,den die wunderbare Schönheit und pracht der tänzerin aufdas herz des strengen bischofs machte. Er lässt Nonnos,

3 Goar, rituale Graec. p. 82 f.