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Albrechts von Haller ... Tagebuch seiner Beobachtungen über Schriftsteller und über sich selbst : zur Karakteristik der Philosophie und Religion dieses Mannes
Entstehung
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LXXXVII.

Aristoteles, Horaz, Vida, Boileau.

Nach dem Abbt Natteup. *)

1771. (S. s--. 5)

i. Aristoteles. Mr. B. versichert, er habe wörtlichübersetzt; das hat er nicht gethan, und vielmehr sei-nen Verfasser umschrieben. Man liesst das Buchselten mehr, es trägt aber, ob es wohl nur ein Theilvon einer Dichtkunst ist, das Gepräge eines grossenMeisters. Der Geschmack des Philosophen ist über-haupt vortrcflich. Was er von den Einheiten sagt,selbst von der Einheit des Karakters bey den tragi-schen Personen, was er über die Entwickelung desKnoten, den Vorzug des Trauerspiels (es war einewirkliche Oper) erinnert, und überhaupt das ganzeWerk ist aufs Feinste gedacht. Obwohl nun Hr. B.vorn Aristoteles glaubt, er habe genügsame Mustergrosser Dichter vor sich gehabt, Regeln für die Dicht-kunst von denselben absirahiren zu können, so findenwir doch des Stagiriten Begriffe eben um deswegenum etw^s zu enge, weil er nur wenige Muster vorsich gehabt hat, daher sein dunkler Begriff, durchdas Trauerspiel den Schrecken und das Mitleiden zureinigen. Das ist nicht der Zweck des Trauerspiels,sondern Las Herz durch ernsthafte Triebe zu rühren.

') pootique ä'Lriiiote, li'Llorsce, c!e Viä?. L so Loiloiu.r Vkit- 1771.