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Albrechts von Haller ... Tagebuch seiner Beobachtungen über Schriftsteller und über sich selbst : zur Karakteristik der Philosophie und Religion dieses Mannes
Entstehung
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der Arzt sieht in derselben tausend Dinge bis zumErstaunen , jedes Insekt kennt seinen Freund und sei-nen Feind, und alle Menschen lassen, ohne es zuwissen, sich durch die Physiognomik leiten; sie istallerdings eine Wissenschaft. Was in der Seele vor-geht , hat seinen Ausdruck im Angcsichte. Es giebtmoralische Schönheiten und Häßlichkeiten, und ebenauch Schönheiten und Häßlichkeiten im menschlichenAngcsichte, und die Schönheit ist kein willkührlicherBegriff. Es ist höchst wahrscheinlich, daß die Schön-heiten der Seele durch schöne Züge im Gesichte vor-gesagt werden, und hinwiederum. Die Leidcnschas-ten zeichnen sich ja aufs offenbarste durch die Zügedes Angesichtes aus, schöne durch schöne, häßlichedurch unangenehme. Ein kleines Kind hat die Gut-müthigkeit in einem alten verfallenen Gesichte nochunterschieden, sich demselben genähert, und sich voneinem muntern Jüngling weggedreht, der dieses An-ziehende nicht hatte, und hart und hitzig war. Hierentschuldigt sich Herr L. über den Satz, den manvon dem sinnigen leicht erfolgen: könnte, daß folg-lich Tugend und Schönheit, Laster und Häßlichkeit,allemal beysammen seyn missten; unser Verfassermeint, bey der schönen Lasterhaften sey die Anlagezur Tugend da gewesen, aber nachwärks habe dieSchöne sich durch widrige Fertigkeiten überwindenlassen; und das Laster zerstöre m der That sichtbar-lich die blühende Schönheit dir ersten unschuldige»Jugend. Eben so kann eine gute Erziehung die un-