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Albrechts von Haller ... Tagebuch seiner Beobachtungen über Schriftsteller und über sich selbst : zur Karakteristik der Philosophie und Religion dieses Mannes
Entstehung
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weder mein Leben, noch der Gebrauch meinerSeelenkräfte in meiner Macht sind. Eine fremdenoch von mir unergründcte Krankheit, die dieHauvtguelle des Lebens angrief, die Triebfederaller Bewegungen zürn Theil lahmte, und vomTode nur wenig unterschieden war; — denn dasAusbleiben noch eines Schlages des ermüdetenHerzens wäre der Tod gewesen. — Und nunmußte die Seele erwachen, die unter der ein-wiegenden Stille der Wissenschaften in einenSchlummer der Sicherheit verfallen ist. Undnun kann ich es mir nicht mehr bergen, daß ichmit grossen Sünden beladen, gegen Gott kalt,mehr historisch überzeugt, als mit wahrer Liebebelebet, gänzlich ausser Stand bin, vor demAngesicht des Allerhöchsten zu erscheinen. Undnun fühle ich die Last der Sünden, womit meineSeele gedrückt ist, und das Leere alles dessen,was die Erde und die Menschen zu ihrer Beru-higung aufbringen können. Wie in einen Ab-grund, der ohne Aufhören in eine unendlicheTiefe sich versenkt, fällt sie ohne Rettung, wennGott sie nicht rettet. Das Gehirn und das ganzeRüsthaus der Seele ist dabey wirksam und frey;es sind nicht hypochondrische Dünste, die meineLeiden vergrößern — nein, niemals habe ichdeutlicher eingesehen, niemals überzeugendergefühlt. —