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Albrechts von Haller ... Tagebuch seiner Beobachtungen über Schriftsteller und über sich selbst : zur Karakteristik der Philosophie und Religion dieses Mannes
Entstehung
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Die Ehe zweyer Christen ist ein Schauplaz derLiebe und der Sanftmuth. Der Gemahl soll desandern Last tragen; das Stärkere soll seine Machtnicht mißbrauchen, das Schwächere soll gehorchen.Kein fremder Reiz soll sich wider die unverbrüchlichenGesetze der ehelichen Treue auflehnen; denn die Be-gierde ist schon ein Ehebruch. So sagt Christus, sosagt die nunmehr von ihm erleuchtete Vernunft;denn die gefällig empfundene Begierde wird zur That,so bald die Macht dazu da ist. Das Alter trennt dieLiebe zweyer Christen nicht, es kann sie vermehren.Eine mehrere Zunahme im Guten macht den einenGalten dem andern verehrungswürdig und werth,und diese ist mit den Jahren vermuthlich.

Die Kinder sind bey den Christen ein Pfand, einanvertrautes Gut, das wir bauen sollen, auf daß esdem allgemeinen Herrscher Früchte trage. Wir sollensie nicht nur lieben, sondern zur Tugend, zur Got-tesfurcht , zum ewigen Glücke erziehen. Gott hat unsihnen zu Pflegeltern, und an seine eigene Stelle ge-setzt, er, der der allgemeine Vater unser aller ist.

Die Kinder sollen ihre Eltern als Gottes Statt-halter verehren; sie können sie, da sie von ihnen ge-liebt werden, nicht anders als wieder lieben; Pflichtund Natur vereinigen sich, das zarteste Band in jederHaushaltung zu knüpfen.

Confucius hat wohl gelehrt: ein Reich würdeglücklich seyn, wenn eine jede Haushaltung in Ord-