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Albrechts von Haller ... Tagebuch seiner Beobachtungen über Schriftsteller und über sich selbst : zur Karakteristik der Philosophie und Religion dieses Mannes
Entstehung
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N4 -

nung unter sich selbst stünde/ wenn die Haushaltun-gen in eine Verfassung zusammenstimmten; wenn dieStädte in einem Reiche unter einer allgemeinen undobersten Quelle der Ordnung sich vereinigten. DiesesReich hat Confucius nie erlebt; und es fand sich so-bald das Christenthum zum Ernst und zur Uebungkam, weit vollkommener und in der That / als beymConfucius in der Hoffnung.

Der Untergebene ist des Christen Bruder/ derChrist ist ihm alle Liebe/ alle Wcgung/ alle Billig-keit schuldig. Wird der Diener einen solchen Herrnnicht lieben/ nicht sein Vergnügen wünschen, da erBefehle Gottes hat / seinen Herrn zu ehre«/ Und fei,rrcn ihm nicht aufgedrungenen / sondern von Gott selbstfür ihn ausersehenen Stand für gut/ als den bestenanzusehen / dessen er fähig ist.

Handel und Wandel bekömmt durch das Christen-thum die Treue/ die kein Gesetz verschaffen kann.Der Christ ist niemals allein / Gott sieht ihn, under steht in der Einsamkeit der Nacht unter einer weitehrwürdigern Aufsicht/ als der Atheist in Per Gegen-wart seines Fürsten. Das heimliche Pfand / das ver-traute Geheimniß eines verstorbenen Freundes, reiztuns zu keiner Untreue. Sollte ich ein so grosses Uebelthun, da es Gott siehet? Sollte ich dem zutraulichenNächsten schlechte oder theure Waare verkaufen, weiler es nicht versteht, weil er meine Waare nöthig be-darf? Ist dies dem Gesetze gemäS: zu thun, wie ich