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Strophe in feierlich abgemessenen Schritten zur Hälfte nach rechts, zur Hälftenach links um, ähnlich wie es z. B. im Nennst trnnyrris Tanzfiguren giebt;,daher der Name — Wendung. — Ursprünglich nannte man alle
Chorgesänge auf dem Theater Strophen. Sie zerfielen gleich dem Chöre selbstin 2 Abteilungen. Die eine derselben (die eigentliche Strophe) wurde vonjenen Choreuten abgesungen, welche sich von der Rechten nach der Linkenbewegten, während die andere (die Antistrophe) von den Chorenten gesungen'wurde, welche von der Linken zur Rechten schritten. Die Anti- oderGeaenstrophe mußte der Strophe im Zeitmaß, im Metrum und im Rhyth-mus genau entsprechen. An beide Strophenteile schloß sich häufig ein drittermeist ungleicher Teil, Epodos (erih-^os), der zumeist das Lied wie ein Refrainoder Abgesang abschloß. War dies nicht der Fall, so begannen Strophen,Gegenstrophen und Epoden von neuem.
Die Benennungen Strophe, Antistrophe, Epode erhielten sich und wurdenspäter auch auf Lieder und Einzelgesänge übertragen.
Opitz sagt in seiner Poeterei S. 49 fs.: In den Pindarschen Oden istdie frei, und mag ich also soviel Verse und Reime dazu nehmen, als
ich will, sie auch nach Belieben einteilen und umschränken. Die Antistrophe(tti-reirr^or/r;) aber muß auf die Strophe sehen und keine andere Ordnungder Reime machen. Die Epode (x/rc,i6ng) ist wieder ungebunden. Wenn wirdann mehr Strophen dichten wollen, müssen wir den ersten in allem nachfolgen.Er giebt folgendes Beispiel:
Trauerlied über das Absterben Herrn Adams von Bibranaus Prosen und Damsdors.
Strophe I.
O die selig' edle Seele,
Die sich in die wahre RuhNach dem hohen Himmel zuAus des Leibes finstern HöhleFreudig hat hinauf gemacht;
Da sie dann, wie bei der Nacht ^
Vor den andern kleinen SternenPhöbe selber, glänzt von fernen,
Da sich Gott ihr um und anZeigt zu sehn und zu gemessen,
Da sie mit nicht-Menschen-füßenDas Gestirne treten kann.
Antistr. I.
Wie die Ulmen durch die RebenMehr als sonsten lieblich sein;
Wie der Lorbeerbaum den ScheinSeinen Wäldern pflegt zu geben,
Also war auch deine Zier.
Pallas weinet für und für,