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oowxositnrn erscheinen. Gereimte antike Strophen finden sich zwar schon im16. und 17. Jahrhundert. Aber erst Rückerk, Platen und Schiller, dessenGriechenstrophe man im Hinblick aus den Reim bis in die Neuzeit für einedeuische ansah, haben das durch Hegel erneuerte Vorurteil durchbrochen, daßder Reim mit der antiken Strophe unvereinbar sei. Besonders war esRud. v. Gottschall vorbehalten, unserer Litteratur eine Fülle guter gereimterStrophen zu geben. Wir stimmen aus Überzeugung in seine nachstehendeEmpfehlung des Reimes für antike und namentlich für antikisierende Strophen ein,welche durch dieses Schönheitsmittel auch äußerlich zusammengehalten werden:
O zage vor dem kühneren Schwünge nicht,
Der alten Brauches sklavische Fessel bricht,
Der um die Regel, die uns bindet,
Zartere Blüten des Reimes windet.
11. Fremde moderne Strophen und Dichtnngsformrn.
(Südliche Formcu.)
A 164. Erklärung und Einteilung.
Erklärung. Eine Anzahl jener, der romanischen und orienta-lischen Poesie entlehnten Dichtungsformen, denen ein geregeltes Strophen-maß zu Grunde liegt, zeichnen sich durch genau bestimmte, ihnen eigen-tümliche Zeilenzahl, durch Stellung der Reime u. s. w. aus. Dadurchunterscheiden sie sich namentlich von den ungereimten, nur nach Längenund Kürzen, in gewisser Ordnung wiederkehrender Silben aufgebautenantikisierenden wie von den deutschen, so elastischen Strophen.
Man nennt sie im Hinblick auf ihre Abstammung: südlicheFormen und rechnet sie bezüglich ihres Inhalts zu den lyrischenStrophen. (Vgl. II. Hauptstück im 2. Band d. B.)
Einteilung. Man unterscheidet bei den fremden Formen:
I. Proven^alisch-italienische Formen. Zu diesen gehört:
1. das Sonett, 2. die Terzine, 3. das Ritornell, 4. die Sestine,5. die Stanze, 6. die Siciliane, 7 die Kanzoue, 8. die italienischeVierzeile.
II. Spanische Formen. Zu denselben gehört: 1. die Dezime,
2. die Glosse, 3. die Tenzone, 4. das Kancion, 5. die Seguidilla.
III. Französische Formen. Zu ihnen rechnet man: 1. dasMadrigal, 2. das Akrostichon, 3. das Triolet, 4. das Rondeau.
IV. Französisch-deutsche Strophen. Als solche sind dieAlexandrinerstrophen anzusehen.
V. Orientalische Formen. Dieses sind: 1. die persischeVierzeile, 2. das Ghasel, 3. die malaische Form, 4. die Makame,5. das Sloka-Distichon.