ö46
Die ersten deutschen Ritornelle schrieb Rückert in der Urania 1822,worauf W. Müller die seinigen ebenfalls in der Urania folgen ließ. Ergabihnen die Überschrift: Ständchen in Ritornellen. Vers 1 und 3 assaniert beiihm, und 1 und 2 allitteriert! auch sind bei ihm je drei Ritornelle miteinandervereinig!, wodurch — wie Müller meint — lyrischer Ton erreicht wird. Deritalienischen Form ist es entsprechend, daß die erste kürzere Zeile meist einenPflanzennamen als Anruf bringt. Die Rückertsche Form ist strenger gehaltenals die italienische, welche statt des Reims meist nur Assonanzen und Ausklängehat (vgl. rj 126. 1. 6, S. 394). Rückert schrieb 332 Ritornelle. In seinenKinderwtenliedern (Frankfurt 1872) S. 220—236 allein finden sich nichtweniger als 140 Ritornelle.
Zu erwähnen sind die Ritornelle in Paul Heyses italienischen Liedern,die zuweilen wie die altbayerischen Schnadahüpfl gebraucht werden, ferner dieRitornelle Ad. Glasers, Theodor Storms und Walpnrga Schindels (vgl. fürletztere Üsterr. Wochenschr. f. Wiss. u. K. 1872, sowie Amthors Alpensrennd 1873).
Beispiel der assanierenden Rirornelle Will). Müllers.
Der Garten des Herzens.
1. In meines Herzens Mitte blüht ein Gärtchcn,
Verschlossen ist es durch ein enges Pförtchen,
Zu dem den Schlüssel führt mein liebes Mädchen.
Es ist April. Komm, wolle dich nicht schämenUnd pflücke dir heraus die liebsten Blumen!
Sie drängen sich entgegen deinen Händen.
Je mehr du pflückst, je mehr sie wieder sprossen;
Doch willst du unberührt sie blühen lassen,
So werden sie vor ihrer Zeit vertrocknen.
(Man beachte die bis zu unreinen Reimen „abgewetzten" ReimwetzlerPförichen, Blumen, lassen.)
2. Mir träumt', ich starb, und deine Thränen flössen,
Da richtet' ich mich auf und lebte wieder,
Der welken Blume gleich, die Tau begossen. (Rückert.)
3. itrone der Nelke!
Zum Schattendach dient dir -nein Liebeskummer,
Daß deine Pracht nicht an der Sonne welke. (Rückert.)
4. Dunkle Cypresse»,
Die Welt ist gar zu lustig
Es wird doch alles vergessen. (Theodor Storni.)
5. Einfache Raute!
Wenn bunte Blumen hell das Leben zieren,
Folgst du in's Grab als einzige Vertraute. (Adolf Glaser.)
6. Wilde Reben!
T^er Frühling will aus euern dunklen Zweigen
Ein grünes Zelt verborg'ner Liebe weben. (W. Schindel.)