Buch 
Deutsche Poetik : Theoretisch-praktisches Handbuch der deutschen Dichtkunst nach den Anforderungen der Gegenwart / von Prof. Dr. C. Beyer
Entstehung
JPEG-Download
 

556

Das Reimschema der Spenserstanze ist folgendes:

ababUeboe, also dreifacher Reim.

Die Reime im Original Byrons sind männlich wie die in der Büchne r-schen Übersetzung. A. Böttger hat in seiner Übersetzung abwechselnd männ-liche und weibliche Reime gebraucht. Ebenso die Stuttgarter Byron-Ausgabein 10 Bänden vvm Jahre 1845.

Beispiele:

Nicht in den jüngst von mir durchstreiften Zonen,

Wo Schönheit unvergleichbar uns beglückt,

Auch nicht in jenen strahlenden Visionen,

Wo seufzend uns sich jede Form entrückt,

Hat etwas je mich so wie du entzückt:

Seil ich dich sah, muß ich vergebens wagen,

Den Reiz zu malen, der dich wechselnd schmückt;

Wer dich nicht sieht, der wird mein Wort verklagen,

Wer dich erblickt, wird nicht die Sprache dem versagen.

Der vorstehenden 1. Strophe aus der Übersetzung von Ad. Böttgerlassen wir der Vergleichuvg halber die gleiche Strophe aus der ÜbersetzungAlexander Büchners folgen, der im Gegensatz zu Böttger, wie erwähnt,durchweg die männlichen Endreime des Originals beibehalten hat:

Nicht in den Landen, drein ich jüngst verkehrt,

Trotz all der Schönheit, die mich dort berückt,

Nicht in Gebilden, die mein Herz belehrt,

Daß Form lebt, die sonst nur im Traum entzückt,

Hat was, wie du, so innig mich beglückt.

Dich sah ich, und nun scheint mir auch mein LiedZur' Schildrung jener Reize ungeschickt

Was nützen Worte dem, der dich nicht sieht?

Doch wer dich sah, gesteht, daß ihm die Sprache flieht.

Beispiel der Bodenstedtschen Spenserstanzen.

Ein neues Lied sing' ich aus alter ZeitUnd fernem Lande. Einem Volk, entschwundenAus der Eriunrung, ist dies Lied geweiht,

Ein später Nachklang halbverschollner KundenBon Menschen, die in Liebe sich gefunden,

Wo rings die Welt ein Bild der Zwietracht bot,

Und wie die Liebe Alles überwunden,

Womit das Schicksal feindlich sie bedroht:

Trennung, Verfolgung, Haß, Tyrannenmacht und Tod.

(Prolog zu Andreas und Marfa.)

tz 170. Die Siriliane.

Die Siciliane ist eine aus Sicilien stammende, dort schon im13. Jahrhundert gepflegte jambische Strophenform, eine Stanze oderOktave, die nicht mit dem Reimpaare abschließt, sondern den n b-Reimbis zum Schluß fortsetzt. Reimschema: nbabadab.