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Deutsche Poetik : Theoretisch-praktisches Handbuch der deutschen Dichtkunst nach den Anforderungen der Gegenwart / von Prof. Dr. C. Beyer
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eignende Kanzone wurde nicht mit Unrecht einem auf großer Wasserfläche feier-lich hingleitenden, weite Kreise ziehenden Schwane verglichen, während man sichdie beschwingte Ode gleich dem Adler dahin rauschend dachte. Sie war alslyrische Dichtart bereits im 13. Jahrhundert in Italien gebräuchlich.

Petrarca gab ihr eine bestimmte Form, die man Ounüons ksbrnrslrescmnannte. Die spätere hon den Toscancrn ausgebildete Form nannte man dieOnnxone Haarig. Sie entspricht unserer Kanzone. Ihr erster Teil zerfälltin 2 gleiche Hälften (?isäi) mit korrespondierenden Reimen, der zweite iLirimaoder Volts) ist freier gebildet. Nach 510 solcher Strophen schließt eine kleinereStrophe (Oon^säo oder Itiprssn, auch Oonrinigto, oder auch Oliinsg genannt)die Kanzone ab. In dieser Uiprssu oder OIUn.su nimmt der Dichter von,Liede Abschied und weist ihm den Ort seiner Bestimmung an.

Neben dieser herrschend gewordenen Form giebt es noch einige andere

Formen. Nämlich u: Ogn^ons äistsrg, bei welcher die Verse der einenStrophe mit den korrespondierenden Versen der folgenden Strophe reimen, undbei welcher einzelne Strophe» durch Anhänge zOgtsirsn) verbunden waren.l>. 0unxone Lngkrsonti an, welche aus kürzeren Verszeilen und kürzerenStrophen besteht, a. Oun-inne Uinäariou oder OunLvirs u11u (Ireeu,welche freieres Nletrum hatte und (ähnlich der griech. Strophe, Antistrophe undEpode) in Lallgtg, Onnbrubullutu und 8tunxu zerfiel. 6 ü iu6 r8ru, derdie Kanzone' willkürlich gliederte, nannte seine Formen Oanrioiikttsii. ä. Oun-irona u bullo, welche bis ins 16. Jahrhundert hinein zum Tanzgesungen wurde.

Bekannt gebliebene Kanzonen schrieb neben Dante besonders Bembo,Garcilaso und Petrarca. Des Letzteren berühmte Kanzonen1s trs sorolls"(die 3 Sebwestcrn) werden nach Kekuls und Biegeleben (inDie Reime desFrancesco Petrarca". Lruttgart 1844. S. 164) von den Italienern zumSchönsten gerechnet, was jemals in der italienischen Lvrik geleistet wurde.Tessoni nennt sie die Königinnen aller Kanzonen. In nicht weniger als 264Versen feiern dieselben Lauras Augen, lassen aber den seit einem halben Jahr-hundert über ihre Farbe geführten Streit unentschieden. Petrarca ist in Ihnenganz Gefühl und Schwärmerei um die schöne Tochter des Rhonethals.

Die Kanzonen des großen Portugiesen Camosns sind durch die 1874zu Paderborn erschienene gute Übersetzung von Wich. Slorck dem deutschenLesepnblikum zugänglich gemacht. In den 18 Kanzonen des Oamoüns tretenuns 14 durch Ausdehnung der Stollen und des Abgesangs verschiedeneStrophengcsüge entgegen. Diese Kanzonen zeigen, wie sich der wahre Dichterweder durch Stoss, noch durch die Form beengen läßt. Die ganze Gemüts-welk mit all ihren Stimmungen bietet dem (iamosns den Stoss, und er hates verstanden, die Gestaltung der Gedankenglieder dem Gewände- der Kanzonen -strophe anzupassen. Die beiden Stollen stimmen bei ihm metrisch zwar über-ein, aber sie werden in der Zeilenbindung weit freier als im deutschen be-handelt, also z. B. iit der Ordnung g k : 6 g (statt g k : g 6) oder g b a : k g v(statt g d a : g 6 a) verkettet. Der abweichend gebaute Abgesang überragt