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Deutsche Poetik : Theoretisch-praktisches Handbuch der deutschen Dichtkunst nach den Anforderungen der Gegenwart / von Prof. Dr. C. Beyer
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Züge bleiben. Beispielsweise gebe ich da? letzte Gedicht der 2. Makams imwörtlichen Metrnm:

Gran macht das schwarze VerhängnisUnd Menschen fort immer treibt es;

Wenn's diesem heut auch gehorchet,

Doch morgen stolz wieder siegt es;

Wenn schwach von fern es auch blitzet,

Vertrau ihm nicht; immer trügt es;

Und wenn's dir schwere GefahrenAufreget, standhaft empfang es!

Denn wenn sich wendet im FeuerDas Gold, kein Flecken beschmutzt es.

Bei Rückert lautet diese Stelle (Vgl. S. 39 der 1. und S. 13 der4. Anst.):

Grau macht die'Zeit, die greuliche;

Trau nicht auf die untreuliche!

Sie lacht dir einen Augenblick,

Und grinst dann, die abscheuliche.

Die Jahre führen über's HauptDir manches Unerfreuliche.

Die Stürme rütteln dir ant Haus,

Baufällig wird das Bauliche.

Dein Auge trübt sich, ungetrübtBlickt droben nur das bläuliche.

(M. Die den Makamen angefügten Anmerkungen, meist aus den arabischenSchollen bei Sacy entlehnt, sind mehr für das Bedürfnis der gebildeten Leserals der Sprachgelehrten.)

Zur Geschichte der nicht arabischen Makamen. Von den Araberngelangte die Makame ursprünglich zuerst zu den Juden, bei denen sie vonJoseph Jbn Aknin aus Ceuta (Mitte des 12. Jahrh.), ferner von Charisiund Jmmanuel Rumi (Anfang des 14. Jahrh.) gepflegt wurde. Bei denSyrern wandte Ebed Jesu (zwischen 1291 bis 1316) die Makamensormin seinem Buche des Paradieses an. Bei den Deutschen finde ich eine durchVerbindung des Reimes mit der Prosa an die Makame erinnernde Form beiJohann Fischart, mit dem ich Rückert schon in Rücksicht auf Bildung neuerWortformen (vgl. Fr. Rückert, ein biogr. Denkmal vom Vers. d. B. S. 311) ver-glichen habe. Zum Beleg mögen einige wenige Pro ben aus Fischarts Affen-theuerlich Naupengeheurliche Geschichtklitterung" (Ausg. von Scheible) dienen, wobeiwir an einigen Stellen die Orthographie ändern:Ihr all . . sollt samt und sondershie sein, meine lieben Schulkinder lein; euch will ich zuschreiben dies mein Fünd-lein, Pfün dlein von Pfründlein! Euer sei dies mein Büchlein gar mit Haut undHaar, weil ich doch euer bin so bar; euch ist der Schild ausgeheult, kehrthie ein, hie wird gut Wein geschenkt." (S. 17.)Sie haben dachtröpfigeNasen, helle Stimmen, vergoldete Löcher und glitzende Ärmel und vor der KinderNötlichkeit vergeh man eines Gastes allezeit." (S. 73.)Von des Gnrgel-lantnalustiger Kleidung und deren Bescheidung. Im faulen vosto Niemand