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Der Minnesinger Kanzler liebte es, je zwei gebrochen geschriebene Hilde-brandstrophen zu einer Strophe zu vereinigen, z. B.:
Vsrsobamtsu sobaudsu bürstenversvlmmt ist iuver inuot,ir stritst uuds velitstuibt van in iuveru saü.
"Ms xüeAst ir der vürstou,var kamt der berren ^uot?unsobuldilc vilt ir ebtet,
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clor sums vurds ^uot;
doeli värs links kleine,
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(v. d. Hagens Minnesinger II, 388.)
1. Gernerton.
8o beider tSA srtubts in nie:s'vns sie da vor Aestriten is,dos vart do Zar vergessen.
Ir mabt vas in ontviobsu Aar,sie leitsns mit äsn s verton dar:ut Loken vart AswessenIlin also unAskilAsr slaZ,
da^ er kam von den sinnenund vor im auk der erden Ia§.
Ooeb mobt ern nibt Asviunon,nur: er ein neue mabt Kevan;do sxranK üek von der Ilrds
und lief in vidsr an. (Aus dem Eckenlied.)
ß 194. Das Gej'etz der DreitMgkert im mittelhochdeutschenStrophenbau als Vorrecht deutscher Gründlichkeit.
Wie schon die Beispiele b—I im K 193 S. 610 fs. ersehen lassen,waren die Strophen der Minnesinger dreiteilig. Die beiden ersten, imBau sich entsprechenden Teile nannten die Meistersänger die Stollen(von stollo — Stütze, Gestell, Gerüst, Gezimmer); diese beiden Teilebildeten den Aufgesang. Der letzte alleinstehende, ungleiche Teil, deroft mehr Zeilen hatte als die beiden Aufgesangsstollen zusammen-genommen, hieß Abgesang. (Das Bild des Gezimmers oder Gerüstsgebraucht zuerst Wolfr. von Eschenbach, indem er im Wartburgkriegvon der meisterlichen Decke des fremden Zimmers spricht. Vgl. HagensMinnes. II. S. 10. Strophe 35 und 36.)