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Monotonie vorzubeugen gesucht, z. B. Dusch (Fall der ersten Menschen), Arndt(Klage um drei junge Helden), Goethe (Der König in Thule) u. A. WiederAndere haben verständnisvoll Anapäste eingefügt. (Beispiele s. in Z 107.S. 319 d. B.)
Die neue Nibelungenstrophe kam bei allen Dilettanten in Aufnahme,da der gleichmäßige Rhythmus und die Weglassung der 4. Hebung in derletzten Hülste der 4. Zeile ihre Anwendung bequem machte.
Von dem Schema u u k l> giebt es noch viele Formen, die weder imRhythmus noch in der Zeilenlänge mit der neuen Nibelungenstrophe verwandtsind. Eine solche Form ist die charakterlose, aus jambischen Viertaktern gebildeteStrophe des Beispiels u, sowie die schwungvolle, daktylisch bewegte des Beispiels d.
a. O süße Wolkenbilderwelt,
Bom Licht geküßt, in Lust gesellt,
Ein Duftgebäu, wie Menschenglück!
Was läßt der Wind von dir zurück?
(Karl Hartmann Mayer.)
b. Wär' ich die Lust, um die Flügel zu schlagen,
Wolken zu jagen,
Über die Gipfel der Berge zu streben,
Das wär' ein Leben! (Rückert.)
4. u l> a b. (Dilettantenstrophe 1.)
Diese bequeme Strophe, welche nur den t> Reim hat, entstand ursprüng-lich durch Brechung der Nibelungenstrophe. (Vgl. S. 318 d. B.) Sie hatunzählige Modifikationen erlebt und wurde auch von den namhaftesten Dichternnicht verschmäht.
Beispiele:
Die Nacht ist feucht und stürmisch,
Der Himmel sternenleer;
Im Wald unter rauschenden Bäumen
Wandle ich schweigend umher. (Heine.)
Ich ging im WaldeSo für mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn. (Goethe, Gefunden.)
Die Königin blickt durch's Fenster,
Ein Jüngling der stand da draus,
Sie winkt' ihm von dem Söller,
Er sollte kommen in's Haus.
(Albertus Magnus. Kretzschmers Volkslieder. II. S. 145.)
Vgl. das italienische Volkslied in Agrumi von Kopisch S. 231, sowieDer Blumen Rache von Freiligrath.
5. a b a b. (Dilettantenstrophe 2.)
Diese Strophe ist wie die vorige durch Brechung der Nibelungenstropheentstanden, indem man ihr den Cäsnrreim verlieh. Wegen ihrer leichten Hand-habung wurde sie die Domäne aller dilettierenden Dichter. Doch ist sie auchBeyer, Deutsche Poetik. 7. 41