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Deutsche Poetik : Theoretisch-praktisches Handbuch der deutschen Dichtkunst nach den Anforderungen der Gegenwart / von Prof. Dr. C. Beyer
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Lied), Rob. Reinick (Weihnachtsfest), I. Hammer (Siehst du den Schlaf),Freiligrath (Prinz Eugen), Ad. Stöber (Morgenpsalm und Abschied von derSchweiz), Herwegs, (Reiterlied), Lingg (An meine Mutter), Droste-Hülshoff(Im Moose), A. Meißner (Eine Mutter), Geibel (Der Alte von Athen),Carl Beck (Getrost), Ada Christen (Maryna), Franz Hirsch (Vagantenlieder),Max Kalbeck (Herbstabend), Leuthold (Liederfrühling), Mosenthal (An die unter-gehende Sonne), Alb. Möser (Frühlingsfahrt), Betty Paoli (Woher? Wohin rc.),Otto Roquette (Abschied rc.), I. G. Seidl (Brunnengeplätscher), Jul. Sturm(Aus der Kindheit, Daheim, Sorge nicht), Albert Träger (In zarte Frauen-hand rc.), Hagenbach (Luthers Bibel), Haushofer (Beim Wandeln), Edm.Höfer (Nur ein wenig Liebe), Fritz Hofmann (Töchterleins erstes Lächeln),Cäsar von Lengerke (Waldvögelein), Max Moltke (Spruchlied), Emil Neu-burger (Trost), Wilh. Osterwald (Da die Stunde kam), Victor Scheffel (Aus-fahrt), Schwer (Geh nicht vorüber), Feodor Wehl (Es rauscht eine Welle),Jos. Weilen (Von der Donau), Wernine Zimmermann (Ein Sonnenstrahl),Rückert (Frühlingstraum, Sonntagsfeier, Waldstille, An die Musen, An dieSprache, Die Schreibfeder rc.), Goethe (An Mignon, An die Günstigen, BlindeKuh, Der Musensohn, Wechsel). Außerdem Platen, Uhland, W. Müller.Schiller war es, der diese Strophe mit Vorliebe anwandte und ihr im Ringdes Polykrates, in Hektors Abschied, in Würde der Frauen, Laura am Klavier,Triumph der Liebe rc. historische Bedeutung verlieh.

Beispiele:

Er stand auf seines Daches Zinnen,

Er schaute mit vergnügten SinnenAuf das beherrschte Samos hin.

Dies Alles ist,mir unterthänig,"

Begann er zu Ägyptens König,

Gestehe, daß ich glücklich bin."

(Schiller, Der Ring des Polykrates.)

So hat noch Niemand mit mir gethan!

An beiden Händen faßt' er mich anUnd schaute mir in die Seele,

So unwiderstehlich, so tief hinein,

Als wollt' er schau'n, wo ein Fältelein

Ihm etwas noch verhehle. (Jul. Grosse.)

7. n n k l> e o. (Geibels Sehnsuchtstrophe.)

Diese aus Reimpaaren gebildete Strophe ist sehr häufig angewendetworden. Um wirksam zu sein, muß sie ein strophisches Charakteristikum an-nehmen, wie ihr ein solches Geibel und Kopisch verliehen. Wir geben derGeibelschen leichtbeschwingten und kurz abschließenden Form den Vorzug unddie Strophe mag daher den Namen dieses Lyrikers tragen. Die längstenVerszeilen hat ihr Rittershaus gegeben.

Angewendet haben diese Strophe: Schiller (Die Größe der Welt), Goethe(Mignon, und Liebhaber), Heinr. Heine (An die Engel), Uhland (Antwort),