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Deutsche Poetik : Theoretisch-praktisches Handbuch der deutschen Dichtkunst nach den Anforderungen der Gegenwart / von Prof. Dr. C. Beyer
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bei Karl Schuttes (Quelle und Gemüt) und Hoffmann von Fallersleben (Lebtich wie du).

Beispiel:

Du siehst mich an und kennst mich nicht,

Du liebes Engelsangesicht!

Die Wünsche weißt du nicht, die reinen,

Die du so unbewußt erregt.

Ich muß mich freu'n und möchte weinen,

So hast du mir mein Herz bewegt.

(Hoffmann von Fallersleben.)

10. übende.

Ein unschönes Schema, welches bei gleicher Zeilenbildung das Zerfallender Strophe in zwei dreizeilige Strophen begünstigt. Hoffmann von Fallers-leben und Elly Gregor (Ein Wiedersehen) haben es angewandt.

Beispiel:

Welch ein Leben, welch ein StreitenFür die Wahrheit und das Recht!

Auf der Bierbank

Unsre Sitten, unsre Zeiten,

Nein, sie sind fürwahr nicht schlecht!

Auf der Bierbank. (Hoffmann von Fallersleben.)

11. u b o b ä cl. (Wilh. Müllers Noahstrophe.)

Diese Strophe ist durch Wilh. Müllers LiedDie Arche Noäh" bekanntgeworden.

Beispiel:

Das Essen, nicht das TrinkenBracht uns um's Paradies.

WasMdam einst verlorenDurch seinen argen Biß,

Das giebt der Wein uns wieder,

Der Wein und frohe Lieder.

(Wilh. Müller, Die Arche Noah.)

12. xxxxxx. (Theobald Kerners Christnachtstrophe.)

Diese odenartige Strophe hat außer Platen nur Kopifch im Volksliedchenvon der Insel Procida (vgl. Agrumi S. 128 ) und Theobald Keiner in seinemtief empfundenen Gedicht Christnacht angewendet.

Beispiele:

Weihnachtsabend ist vorüber,

Alle Kerzen sind erloschen,

Und die Kinder nun zu Bette:

Jetzt, o Christkind, komm', o komme!

Trage wieder schnell die armenChristtagsbäumchen in den Wald! (Theob. Kerncr.)

Wo der Herbst zwar spät in das flüchtige Jahr tritt,

Das bereits tagmüde zum Ende sich neigt,

Aber nicht kommt ohne Geschenk: