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v. O wenn dir Gott ein Lieb geschenkt,
Behalt' es treu im Herzen,
Und was dich drückt und was dich kränkt,
Mit ihr kannst du's verschmerzen;
Es schwindet jedes Leid der Welt,
Wenn Liebchens Thräne darauf fällt —
Drnm, wenn dir Gott ein Lieb geschenkt,
Behalt' es treu im Herzen. (Michel Verend.)
ä. In dieser Stunde denkt sie mein,
Ich weiß, in dieser Stunde!
Die Bögel schlafen groß und klein,
Es schlafen die Blumen im Grunde.
An blauem Himmel hell und klarStehn tausend Sterne wunderbar;
Sie schaut hinauf und denket mein,
Ich weiß, in dieser Stunde. (Robert Prutz.)
o. O schaurig ist's, übers Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehnUnd die Ranke häkelt am Strauche,
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt,
O schaurig ist's über's Moor zu gehn,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche!
(Annette von Droste-Hülshoff, Heidebilder.)
2. Seirenstück zum Gedicht der Annette von Droste-Hülshoff.
Singend über die HeideSteigen Lerchen empor,
Goldige Knospen der WeideDringen am User hervor,
Und der Himmel so wunderblau!
Allüberall hellsonnige Schau!
Ich und mein Lieb, wir beide
Wandeln durch sprießendes Rohr. (Arthur Fitger.)
4. u, k u h» h> e e v.
Beispiel: Rückerts Vogelschießen.
o. n 6 a 6 L c L 6.
Wir finden diese Strophe schon bei Gottfr. von Nifen (o. d. HagensMinnes. I. 55. Nr. 28) und bei Graf Rnd. von Neuenburg (ebd. I. 18.Nr. 2). Ein Beispiel (Züricher Krieg) findet sich auch in Liliencrons Samm-lung Nr. 80. In neuester Zeit hat sie Rückert in Prophezeiung, des Kauf-fahrers Heimkehr sowie im Schi-King S. 218, Goethe im Trinklied, und Geibelim nachfolgenden Lied angewandt;
Ich habe wohl in jungen TagenMich stark in mir geglaubt und fest,
Und keck der Sorgen mich einschlagen.
Sah ich den Vogel bau'n sein Nest.