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Deutsche Poetik : Theoretisch-praktisches Handbuch der deutschen Dichtkunst nach den Anforderungen der Gegenwart / von Prof. Dr. C. Beyer
Entstehung
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66. n b e <1 o k A ä.

Beispiele

Auf den Bergen die Burgen,

Im Thale die Saale,

Die Mädchen im StädtchenEinst Alles wie heut!

Ihr werten Gefährten,

Wo seid ihr zur Zeit mir,

Ihr lieben, geblieben?

Ach, alle zerstreut! (Lebrecht Dreves, Bor Jena.)

(Der Cäsurreim der 2., 3., 5., 6. und 7. Zeile würde eine gebrocheneSchreibung ermöglicht haben: nudbeaässkkKZä.)

67. ab 6 ond. (Ganzhorns Volksstrophe.)

Eine schöne, originelle Strophenform hat der unlängst verstorbene DichterOder-amtsrichter Wilhelm Ganzhorn in Cannstatt gebildet, indem er nach denersten vier jambischen Versen jeder Strophe den Rhythmus wechselte und eintrochäisches Reimpaar als stehenden Refrain einschaltete, worauf er sodann die3. und 4. jambische Zeile als volksliedartige Wiederholung folgen ließ. DasLied ist Volkslied geworden und wird im Neckarthal in fast allen Dörferngesungen. Die Anregung zu demselben gab dem Dichter wohl Rückerts Deutsch-land in Europas Mitte rc.

Beispiel:

Im schönsten WiesengrundcIst meiner Heimat Haus,

Da zog ich manche StundeIns Thal hinaus.

Dich mein stilles Thal,

Grüß ich tausendmal!

Da zog ich manche StundeJn's Thal hinaus.

(Wich, Ganzhorn. Vgl. Jägers Schwäbische Lieder-Chronik Nr. 12. 1876.)

68. xxxxxxxx.

Man findet diese Strophe in den Volksgesängen: Nvrmannenlied (vgl.Herders Stimmen der Völker), Asbiorn Prüdes Lied (ebd.), Das Ringlein(Volksl. der Polen, 1833. S. 51), Das Liebeslied Heinrichs IV. (übersetztvon L. v. Plönnies in Menzel, Ges. d. V. 274). Von den neuern Dichternhat sie Mörike charakteristisch gebildet:

Beispiel:

Ein Tännlein grünet wo,

Wer weiß, im Walde,

Ein Rosenstrauch, wer sagt,

In welchem Garten?

Sie sind erlesen schonDenk es, o Seele,

Auf deinem Grab zu wurzelnUnd zu wachsen.

(Ed. Mörike, Denk es, o Seele.)