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Deutsche Poetik : Theoretisch-praktisches Handbuch der deutschen Dichtkunst nach den Anforderungen der Gegenwart / von Prof. Dr. C. Beyer
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Rufet zu allen mit Lust und mit Freud:

Danke Gott, danke Gott!

Der du mir geben die Zeit.

(Wachtelwacht. Schenkel II. 618.)

62. u 6 u o 6 4 4 o.

Dieser originell gebauten Strophe Chamissos mit zwei umklammerndenmännlichen Reimen begegnen wir auch bei Geibel inNeapolitanisch".Beispiel:

Sang der sonderbare GreiseAuf den Märkten, Straßen, GassenGellend zürnend seine Weise:

Bin, der in die Wüste schreit.

Langsam, langsam und gelassen!

Nichts unzeitig, Nichts gewaltsam!

Unablässig, unaufhaltsam,

Allgewaltig naht die Zeit.

(Chamisso, Der alte Sänger.)

64. ukodeelkä.

Beispiele: Die 1. und 3. Strophe von Geibels Zu Volksweisen Nr. 5Deutsch", und Karl GiebelsMama bleibt immer schön".

64. ubekäukk.

Diese durch Kerners WanderliedWohlauf noch getrunken" allerwärtsgesungene Strophe finden wir im deutschen Volkslied (Müllers Abschied, vgl.Wunderhorn I. 102), bei Schiller (An der Quelle saß der Knabe"),bei Goethe (Sehnsucht: Was zieht mir das Herz so), bei Chamisso (Frauenliebeund Leben: Traum der eignen Tage rc.), in Fiedlers schottischer Liederdichtung(Der Kuß, II. S. 190), in Walters Volksliedern (Der Weber, S. 71), inWolffs Halle der Völker (Lords Marie I. 90, und Es dunkelt I. 121), beiThomas Moore (Die letzte Rose, übersetzt von Pfizer. Menzel, Ges. d. V.S. 631), bei Wilhelm Grothe (Wie lange, lange Zeiten), bei Graf v. Strach-witz (Wie gerne dir zu Füßen), bei Fr. Halm (Vertrau dich, Herz, der Liebe),sowie in der Dialektdichtung (Konrad Grübel, Der Rauchtabak).

65. u b e b ä 6 4 8.

Wir finden in dieser Form gedichtet: Das Siegeslied von Oudenaarde(Wolffs Halle der Völker I. 167), Das Mädchen am Ufer (Herders Stimmend. Völker), Poesie von Annette v. Droste-Hülshoff, Menschliches von Ad. Glaß-brenner.

Beispiel:

Ihr könnt mir's wahrlich glauben,

Ich bin ein eitler Mann;

Ich ziehe mir am liebstenDen liebsten Menschen an.

Ich wälz' mich nicht im Schmutze,

Und aufrecht ist mein Gang;

An meiner Seele putzeIch schon viel Jahre lang.

(Ad. Glaßbrenner, Menschliches.)