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Deutsche Poetik : Theoretisch-praktisches Handbuch der deutschen Dichtkunst nach den Anforderungen der Gegenwart / von Prof. Dr. C. Beyer
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Einen, um mir Spaß zu machen,

Und einen, um darüber zu lachen;

Einen traurigen, den wollt' ich schon fröhlich herzen,

Einen lustigen, ich wollt' ihm vertreiben das Scherzen.

Einem, dem reicht' ich die rechte Hand,

Einem, dem gäb' ich die linke zum Pfand;

Einem, dem schenkt ich ein freundlich Nicken,

Einem, dem gab' ich ein holdes Blicken;

Noch einem, dem gab' ich vielleicht einen Kuß,

Und dem letzten mich selber aus Überdruß.

(Rückert, Zwölf Freier.).

7. ü ü b d c e ü 6 e 6 t' A f K. (Sallets Rosenstrophe.)

Beispiel:

Die Knospe träumte von Sonnenschein,

Vom Rauschen der Blätter im grünen Hain,

Von der Quelle melodischem Wogenfall,

Von süße» Tönen der Nachtigall,

Und von den Lüften, die kosen und schaukeln,

Und von den Düften, die schmeicheln und gaukeln.

Und als die Knospe zur Ros' erwacht,

Da hat sie mild durch Thränen gelacht,

Und hat geschaut und hat gelauscht,

Wie's leuchtet und klingt, wie's duftet und rauscht.

Und all ihr Träumen nun wurde wahr,

Da hat sie vor süßem Staunen gebebt,

Und leis geflüstert:Ist mir's doch gar,

Als hätt' ich das Alles schon einmal erlebt."

(Sallet, Die erwachte Rose. Ges. Ged. 46.)-

8. a il ü g )i rr d a rr a d ü.

Beispiel. Schönheit, Wahrheit, Güte:

Euer Leben hüteDieser Dreistrahl-Stcrn!

Wurzel ist die Güte,

Wahrheit ist der Kern,

Schönheit ist die Blüte;

Blühen möcht' ich gern!

Wahrheit im GemüteSei mir nah und Güte,

Und der Schönheit BlüteNie dem Auge fern!

Schönheit, Wahrheit, Güte!

Euer Leben hüteDieser Dreistrahl-Stern!

iRückert, Ges. Ausg. VII. 433.)-

9. a b b 6 6 ll, ä 6 (I tz k ß' I ss.

Beispiel:

Und oben hoch, vom Rauch umflogen,

Den voll und blau das Pfeifchen speit,

. In ihrer schwarzen HerrlichkeitDie bärtigen Gesellen geigenEin Licdlein auf zum Hochzeitsreigen.