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Ihr Brüder, jubelt mit Hellem Klang,
Stimmt an den frohen Festgesang,
Verbannt sei Kummer und Herzeleid,
Das Lied erschalle weit und breit:
Johannistag ist kommen!
Der Sonne leuchtendes Strahlenkleid,
Der Erde buntes Brautgeschmeid,
Der Wiesen saftige Farbenpracht,
Der Rosen Dust uns heute lacht:
Johannistag ist kommen!
Johaunisfeier! Es weicht die Nacht,
Zum Licht ist rings die Welt erwacht,
Die Blätter rauschen vorn Windeskuß,
Der Vöglein Lied tönt holden Gruß:
Johannistag ist kommen!
Und Liebe tauschet den BruderkußIn frohen Festes BollgenußUnd knüpfet enger das Herzensband;
Es klingt der Ruf von Land zu Land:
Johannistag ist kommen!
Ihr Brüder, emsig an's Werk die Hand!
Zum Licht empor den Blick gewandt!
Mit Weisheit, Stärke und Schönheit bautAm Bau der Menschheit! Jubelt laut:
Johannistag ist kommen!
Wer je das ewige Licht geschaut,
Wem Bruderwirken ist vertraut,
Ob er durchfurche des Meeres Flut,
Ob ihn versenge der Sonne Glut:
Johannistag ist kommen!
Wem Hoffnung schwellet den Jugendmut,
Wer aus dem Schmerzenslager ruht,
Den Brudern allen, ob froh, ob bang,
Erschalle heut der Jubelsang:
Johannistag ist kommen! (B. Blancke,)
ß 221. Rückblick auf die sämtlichen Strophen.
1. Die aus viertaktigen Versen gebildeten Strophen sind inunserer Litteratur weitaus überwiegend.
2. In Hinsicht aus Zeilenlänge sind die kurzen Zeilen bei längerenStrophen vorherrschend.
3. Die Strophenlänge wird durch Art und Weise der Ausführungund durch die Darstellung des Inhalts diktiert.
4. Als Maximian der Strophenlänge erträgt unser Ohr rechtwohl 12 Langzeilen (vgl. 8 209. 27) oder 20 bis 24 Kurzzeilen.
5. Die kunstreiche, verständnisvolle Ausführung verleiht der ent-sprechenden Strophensorm Bedeutung und Berühmtheit.