11
Stimmung künstlerische Gestalt gewonnen, steht das Gemüt ihr nicht nur alseiner fremden gegenüber, sondern es sieht seine Empfindungen, der Erdschwereentnommen, in den lichten Äther gehoben und dem flüchtigen Spiel eine schöneDauer gegeben.
2. Man nannte die lyrische Poesie ursprünglich die melische in der Ab-sicht, durch diese Benennung die lyrischen Gedichte als organisch gegliederteGanze auszuzeichnen, (ro /relos und r« einstrophige und mehrstrophige
Gesänge, ähnlich: „daz liet und diu liet." Die Benennung ue/as oder
hatte auch den Gesang (Melodie) mitbezeichnet. Aristoteles kennt denAusdruck noch nicht: in den Anakreontea kommt -.uprx») /aoüo« vor,
noch bei Plutarch aber neben /ro/x-s. (Vgl. ktut. bluin.
4 u. L.ntb. — klut. aonsol. uä ä.poll. p. 365. — Lobol. ^r. L.v. 209.)
tz 7. Stoffe der Lyrik; Las lyrische Gedicht ^ Gelegen-heitsgedicht.
1. Die Stoffe der Lyrik sind fo reich und mannigfach, als dieEmpfindung und die subjektive Auffassung verschieden ist. (Vgl. Bd. I.ß 16. S. 39.)
2. Sie erblühen der individuellen Behandlungsweife, der eigen-artigen Geisteswelt und Weltanschauung des Lyrikers. (Vgl. Bd. I.S. 40. 2.) .
3. Da somit weniger der objektive Stoff, als die subjektive Auf-fassung und Behandlung des Stoffs das Wesentliche ist, (vgl. Bd. I.S. 40- 3) so ist das Stoffgebiet der Lyrik unerschöpflich.
4. Das lyrische Gedicht ist seiner Veranlassung nach Gelegen-heitsgedicht.
1. Der Lyriker singt:
„von Lenz und Liebe, von sel'ger goldner Zeit,
Bon Freiheit, Männerwürde, von Treu' und Heiligkeit;
Er singt von allem Süßen, was Menschenbrust durchbebt,
Er singt von allem Hohen, was Menschenherz erhebt." (Uhland.)
2. Der Stoff der Lyrik ändert sich nicht, aber „der stets sich erneuerndeBlumenflor", wie Hegel die Lyrik nennt, treibt immer wieder neue Blumenhervor, je nach der Originalität des Dichters. Von den Naturlauten derVolkspoesie bis zu den gedankenreichen malerischen lyrischen Dichtungen derKunstpoesie unserer Zeit ist die reichste Stufenleiter der Stoffe nachweisbar, dielediglich durch die eigenartige Behandlung, d. h. durch den Zusatz von Sub-jektivität seitens des Dichters Stoffe der Lyrik werden. Je einfacher, gering-fügiger, unscheinbarer der Stoff, desto mehr wird die Subjektivität des Dichtershinzuthun. Zum Beleg beachte man das folgende Gedicht M. Greifs, dessenwinziger Stoff ein Mädchen ist, das in den Bach hineinblickt: