3. Es dient zur Wahrung des Verscharakters, die syntaktischenPausen und Ruhepunkte (Satzende, Satzeinschnitt, Bordersatzschluß,Nachsatzende) häufig aus Ende der Quinare zu verlegen.
4. Hohe markierende Bedeutung hat der Einschnitt, wenn dieüberzählige Silbe den Charakter einer schweren Silbe erhält. Dochmuß diese hemmende Wirkung mit dem Satzende zusammenfallen. Wodies nicht der Fall ist, wie in folgendem Beispiel, ist sie wegen ihrerhemmenden Gewalt störend und fehlerhaft, selbst da wo das Fehler-hafte durch Recitation gemildert werden kann:
Wo sind sie? Blieb von ihnen ich allein
Nicht übrig? ich der menschlichste, den Vor j sieht
Allein nur rettete?
(Herder, Der entfesselte Prometheus.)
5. Zur Unterbrechung der Monotonie, wie zur Markierung derJncision und zur Steigerung der malerischen Kraft beginnt man zu-weilen die frische Verszeile mit einem Spondeus (--) oder einemTrochäus (-"), z. B.:
Vorrat zu haben, der Vulkan ist furcbtbar.
lOehlenschlägers (lorreggio.)
Mächtig § genug, der Menschheit Reich zu trennen,
Ohne 1 Gefühl, Verstand und Gliedermaß.
(Herder, Der entfesselte Prometheus.)
Diese Versaufänge verlangen Berechnung, wenn sie den Rhythmusuicht stören sollen.
6. Zur Vermeidung der Eintönigkeit darf auch innerhalb derZeile zuweilen ein Spondeus oder ein Anapäst stehen.
Z. B. ein Spondeus:
Des schönsten Boten Unglücksbotschaft. (Goethes Faust.)oder ein Anapäst:
Verzeih uns edle Base — Himmel und Erde! (Lindners Brutus u. E.)
7. Eine Feinheit ist es, den Spondeus (- -) nur hie und da anungeraden Stellen (also im 1., 3., weniger im 5. Takt) eintreten zulassen, um nicht den Verscharakter zu schädigen. Bei den, nach Di-podieu (zwei Takten) gemessenen Versen der Alten mußte die Dipodiemit einem Jambus schließen, weshalb eben nur in ungeraden TaktenSpondeen sein konnten.
8. Empfehlenswert ist es, Cäsuren mit Diäresen abwechseln zulassen. Bei weiblichem Versschluß wirken die Diäresen freundlicher,bei männlichem die Cäsuren. Man sollte die Cäsur im ö. Takt des