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gröbere rc.). Es nehmen daher viele deutsche Maße, deren Heimat ursprünglichGriechenland war, bei uns eine ganz neue Gestalt an, sowohl im Äußeren, alsauch in der VerSbewegung. (Auch bei den Römern ist dies der Fall.) Sofindet der aufmerksame Leser, daß der deutsche jambische Trimeter größtenteilsmit einsilbigen Wörtern beginnt und schließt, und es gehört große Ärmst dazu,ihn besonders am Ende mit vollen, den Jambcntakt hervorhebenden Silben-klängen abzurunden. Bei den Griechen dagegen sehen wir sehr oft, daß jam-bische Verssüße, die aus einem Stück bestehen, den Trimeter beginnen und
schließen.
Ferner enthält der trochäische Vers bei uns weit mehr reine Trochäen,als Kretiker (- ^ -), die bei den Griechen ein treffliches Zusammengreifen undVerbinden der Satztakte (Wortfüße) hervorbringen.
Endlich müssen bei uns die Satztakte des daktylischen Verses notwendigeinen amphibrachischen Gang erzeugen, da wir fast keine aus einem Stückbestehenden Anapäste haben, die es möglich machten, nach choriambischem Fallanapästisch fortzufahren, was doch nötig wäre. So wird sich später bei derLehre von den Versen bemerklich machen, daß z. B. der deutsche sapphischeVers meistenteils nach der 3. Silbe und der alcäische nach der 4. Silbe einenAbschnitt hat, der z. B. schon bei den Römern sich sehr selten findet.
Unter diesen Umständen kann sich die von Klopstock und I. H. Voß ver-
suchte Einführung der antiken Maße in unsere Litteratur nicht empfehlen, wennauch einzelne Bildungen mit ziemlichem Geschick ausgeführt wurden. So sindz. B. zehn steigende Joniker: ^ ^ a. _ nach Horaz zu einem freundlichen Systemverbunden worden:
Was ermahntlhr ! zu dem Siegsnmhl ! um den Kriegshirsch ! nuch, den Waidmann?Was entlockt ihr mich der Eiuöd' in das Prachtzclt der Bewirtung?
Wo das Waldhorn mit Gewalt schallt!
Aus zwei Jonikern wurde der anakreontische fließende Vers gebildet, derim Deutschen jambisch gemessen wird, weil er die jambische Form bat u. s. w.Wir lesen diese Verse anders, als sich dies z. B. Klopstock und Voß dachten,welche im Gegensatz zu Z 80 zwei Kürzen an Wert und Tondauer einer Längegleich achteten.
Unsere Ansicht, daß die antiken Maße für unsere Sprache ungeeignet sind,bestätigen bedeutende Fachmänner, z. B. Edler in: Teutsche Versbaulehre1842, S. 367; ferner: Btoritz Zille in der Vorrede zur Probe einer neuenÜbersetzung der Äneis im Nibelungenversmaße, Lcipz. 1863; besonders aberRod. Venedix in: Wesen des Teutschen Rhythmus, S. 85, wo er sagt:„In der Nachahmung antiker Versmaße müssen wir entschieden eine Nichtachtung,ja, eine Mißhandlung des deutschen Rhythmus finden" u. s. w. Vgl. W 65, 71,88 d. B. Von den Tichtern erwähne ich als Gegner antiker Maße nur H. Heine,der ausdrücklich erklärt, daß ihm die antiken Versmaße für die deutsche Sprachegar nicht zusagen. (Vgl. Strodtmann's Dichterprofile. Stuttg. 1879, S. 246.)