Band 
Erster Band.
Seite
305
JPEG-Download
 

305

H 105. Massifikation der deutschen Verse nach ihremSchiustmetruur.

Je nach dem Schlußmetrum der Verse unterscheidet man

1. vollzählige (akatalektische) Verse,

2. unvollzählige (katalektische),

3. überzählige (hyperkatalektische).

1. Vollzählige (akatalektische) Verse.

Vollzählig, vollständig oder akatalektisch ist nach Diomedes^Vgl. Oramm. lat. ex reeens. Iveilü I. 502.) ein Vers, dessen letztemTakte (Fuß) keine Silbe zur Vollständigkeit des Rhythmus mangelt,der also aus vollständigen Metren besteht (nicht aufhörtdavon: unaufhörlich — vollständig «-x«r«1,/nro§).

B eispielel

Troch Lisch: Hoffnung j wohnt bei j Sterbll i chen hie j nieden, jUnd bei > Toten j wohnt im j Grabe > Frieden, jZage > nicht, wie > auch das j Los dir > falle, jImmer > ist dir, j was du j brauchst, be I schieden. !

(Rückert.)

Jambisch: Nach Wo > chen zog > vom Kö' j nigshaüs >

Walmud, der Herr, zu jagen aus;

Er streifte Thal und Schlucht entlangUnd kam nach manchem sauren GangHin, wo im niedern TannenschlagDie Wölfin bei den Jungen lag.

(Wilh. Hertz, Hugdietrichs Brautsahrt.)

2. Unvollzählige (katalektische) Verse.

Unvollständig, unvollzählig oder katalektisch (vonnennt man diejenigen Verse, deren letztem Takte eine oder zwei Silbenfehlen.

Beispiel e:

Jambisch: In üp j chg lau j ter Re ! sldenz > (akatal.)

Verschweigt > mit rer j cher Hä > be I (katal.)

Ein Jüngling seinen Lebenslenz, (akatal.)

Die Eltern ruhn im Grä j be. ^ (katal.)

Daktylisch: Engel umschweben uns (akatal.)

Wo wir auch j gehn ^ ^ (katal. Hier fehlen 2 Silben.)

. Engel um j geben uns, > (akatal.)

Wie wir uns ! drehn. ^ (katal. Hier fehlen 2 Silben.)Beher, Deutsche Poetik. I. 20