Band 
[Zweiter und dritter Band.]
Seite
147
JPEG-Download
 

147

, 2. Bei den Griechen war der Elegos eine besondere Art ihrer

sog. Threnoi (A§»/nos).

Aus dem griechischen Elegos (— Klagelied, Trauerlied) wurde dieElegie und dgs Elegeion, d. i. jedes in Distichen verfaßte Gedicht.

3. Das Versmaß der Elegie war das Distichon. — Bei unserer^ Elegie ist es nicht absolutes Erfordernis.

1. Die deutsche Elegie charakterisier! neben sinnendem Verweilen hochflutendesSchmerz- oder Wehmutsgefühl, süße, tiefe, ungestillte Sehnsucht, schwärmerischerTiefsinn der Liebe, schmelzende Klage. Jede Elegie verlangt ein episches, deräußeren Wirklichkeit entlehntes Objekt, das der begeisterte Dichter mit seineriubjektiven Empfindung durchdringt.

Im allegorischen Sinne ist die Elegie eine Genie oder Nymphe genanntworden (F. H. Jakvbi), welche, das Gesicht in die Hand gelegt, voll Rührungund sanfter Wehmut, nachdenkend, in Erinnerung verloren ruhig dasitzt. Einhalb zerrissener Kranz in ihren Locken und ein welker Blumenstrauß auf ihremSchoße erinnern an entflohene Freudentage, an herben Verlust. In der Ferneist ein Grabmal zu sehen, von dem nur die obere Hälfte aus einem Cypressen-walde hervorragt. Hinter diesem liegt ein Hügel voll Rosenknvspen undMorgenrot.

Der Ton der Elegie ist so verschieden, als auch der Anlaß und die Artder Trauer verschiedene sind; anders klagt die Jungfrau, die ihren Weltschmerz» nicht entdecken will, anders der Freund, der den früh geschiedenen Genossen

seiner Jugend betrauert u. s. w.

2. Eine naive Etymologie leitet das Wort Elegie von e x —

weh weh rufen ab. Das ist jedoch nicht stichhaltig; eher wäre an eineVerwandtschaft mit — klagen, wimmern, namentlich zu den Göttern

empor, und — ein Kriegsgeschrei erheben, zu denken. Beachtens-

wert ist, daß in Vorderasien, wo Flötenspiel zu Hause war, elogn das Rohr,(vgl. klirr. 16. 36. 66) die Flöte, geheißen haben soll. Diese war nämlichdas begleitende Instrument der alten griechischen Elegie, wie ja auch der ver-wandten, späteren römischen Nänien.

Die charakteristische Versart der Elegie war nach Wilh. Wackernagel derPentameter, vielleicht mit dem Hexameter, vielleicht mit andern Versen gemischt,vielleicht ohne alle Beimischung für sich bestehend. Eine Ableitung von Elegos(x'/L/os) ist Elegeion (k/.L^xlc-n), das vielleicht ursprünglich nur der Namedes Pentameters war, dann aber jedenfalls der aus Hexameter und Penta-meter zusammengesetzten Strophe, also des späteren sogenannten.Distichons. Die> neue Dichtungsart, die Elegie (d. i. das im Elegeion abgefaßte Gedicht), teilte

mit dem alten Elegos die Anlehnung an die epische Wirklichkeit; sie sprach auchnicht selten schmerzliche Gefühle aus, sie entlehnte von dem Elegos den Gebrauch' des Distichons samt der mit dem Gesänge verbundenen Flötenbegleitung. Alles

dies war Anlaß, jene von Elegos gebildete Ableitung Elegeion (sle^eron) nunin einem weiteren Sinne zu gebrauchen: es ward nun eben jedes episch-lyrischeGedicht in der Form des Distichons Elegie, Elegeia (r-.L)-x/«) genannt (entweder