Band 
[Zweiter und dritter Band.]
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neuer Zeit noch ans Erscheinen der heiligen Jungfrau glauben, oder wie dasalte Testament den Glauben an den Verkehr Gottes und der Engel mit denMenschen voraussetzt. Man fand es begreiflich, daß im Mahübhnrata, wie beiHomer und in der Kalewüla, die Götter eingrissen und das außerhalb mensch-licher Kraft Liegende helfend besorgten.

5. (Verwandtschaft der Mythologie.) Die Mythologie derVölker entspricht sich in vielen Stücken. Besonders ist dies bei der griechischenund indischen in bezug auf innern Reichtum der Fall. Die ältere indischeMythologie ist so üppig und prachtvoll als die griechische; die Wohnung desJndra ist sogar noch glänzender und reicher, als die des Zeus, wenn manauch bei den indischen Göttern nicht jene Ideale menschlicher Form suchen darf,welche die griechische Mythologie bietet. Ich habe in meiner Arja (S. 494)eine Vergleichung der altindischen Götter mit den griechischen herzustellen gesuchtund die Musen des Helikon mit denen des Berges Meru zusammengehalten.Es muß den Laien in Erstaunen setzen, daß Venus wie Lackschmi aus demSchaume des Meeres hervorgingen, ja, daß diese beide Göttinnen, wie auchZeus und Jndra, Apollo und Krischna, Bacchus und Soma, Amor undKama rc. unendlich viel miteinander gemein haben u. s. w.

tz 116. Die Munftepen.

1. Das Kunstepos ist nicht (wie das Volksepos) die That undder naturgemäße, unmittelbare Ausdruck des dichterischen Volksbewußt-seins, sondern das nach einem bestimmten Plan ausgeführte, absichts-volle Werk eines einzelnen Dichters, das Produkt seiner Bildung, seinerSubjektivität, seiner Phantasie

2. Das alte Kunstepos ist meist nur Bearbeitnngs- oder Nach-ahmungs-Epos. Der Dichter mußte auch hier seinen Stoff künstlerischdurchdrängen; er mußte Wesen und Erscheinung vereinen und die An-schauungsweise seines Stoffes unverletzt bewahren.

3. Schiller definiert den Begriff des modernen Kunstepos nach demMuster der Jliade.

4. Nur wenige Kunstepen der Neuzeit entsprechen den Schiller-schen Anschauungen.

1. Die erste Blüte des Kunstepos fällt in die Zeit des 12. und 13. Jahr-hunderts, also in dieselbe Zeit, in welcher unsere deutschen Nationalepen zurBedeutung gelangten. Da das älteste deutsche Kunstepos von den höfischenDichtern herrührt, so nannte man es nach diesen Verfassern das höfischeEpos. Im Gegensatz zum romantischen Epos des 19. Jahrhunderts kannman es wohl auch als das altromantische Epos bezeichnen. Der Stoffdesselben war nicht mehr der altdeutschen Heldensage entnommen, sondern erwar meistenteils dem romanischen Sagenkreise (Karls des Großen, ferner derGral- und der Artussage) entlehnt.