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Frühmorgens nach der Stadt und trug auf ihrem KopfeVier Stübchen süße Milch in einem großen Topfe.
Sie lief und wollte gern „Kaust Milch" am ersten schrei'»;
Denn dachte sie bei sich, die erste Milch ist teuer,
Will's Gott, so nehm' ich heut' sechs bare Groschen ein,
Dafür kauf' ich mir dann ein halbes hundert Eier;
Mein Hühnchen brütet sie mir all' auf einmal aus;
Gras eine Menge steht um unser kleines Haus;
Die kleinen Küchelchen, die meine Stimme hören,
Die werden herrlich da sich letzen und sich nähren;
Und ganz gewiß, der Fuchs müßt' listig sein,
Ließ er mir nicht so viel, daß ich ein kleines SchweinDafür eintauschen könnte! Seht nur an!
Wenn ich mich etwa schon im Geiste freue,
So denk' ich nur dabei an meinen lieben Mann!
Zu mästen kostet's mir ja nur ein wenig Kleie!
Hab' ich das Schweinchen fett, dann kauf' ich eine KuhIn meinen kleinen Stall, ein Kälbchen wohl dazu;
Das Kälbchen will ich dann auf meine Weide bringen,
Und munter hüpft's und springt's, wie da die Lämmer springen.
Hei! sagt sie, und springt auf, und von dem Kopfe fälltDer Topf; das bare Geld,
Und Kalb und Kuh und Reichtum und VergnügenSicht nun das arme Weib vor sich in Scherben liegen!
Erschrocken bleibt sie stehn und sieht die Scherben an, »
„Die schöne weiße Milch, sagt sie, auf schwarzer Erde!"
Weint, geht nach Haus, erzählt's dem lieben Mann,
Der ihr entgegen kommt mit ernstlicher Gebärde;
„Kind", sagt der Mann, „schon gut! Bau nur ein andermalNicht Schlösser in die Luft, mau baut sich seine Qual!
Geschwinder drehet sich um sich kein Wagenrad,
Als sie verschwinden in den Wind!
Wir-haben all' das Glück, das unser Junker hat,
Wenn wir zufrieden sind!"
(Man vgl. auch die Bearbeitung II, 229 unserer Poetik.)
6. Mannigfaltige Umbildungen der nämlichen Gedichte.
Aufgabe. Zur Gewinnung größtmöglicher Fertigkeit versuchman, selbst auszuwählende kleinere mittelhochdeutsche Gedichte lautlesend umzubilden:
1. in regelrechte hochdeutsche Verse mit reinen Jamben,
2. in trochäische Verse mit reinen Trochäen,