des andern Landes nicht kennt. So hättenwir mühelos eine Änderung gefunden, die demUrbild entspricht, wenn auch die Reime nicht sehrfarbenvoll sein mögen:
Jedes Land nur seinen nennt,Kamaralzaman hat Ehren,Wo Badaura niemand kennt.
Engültige Form der 3. Strophe.
Also geht es mit den Dichtern:
Jedes Land nur seinen nennt;
Kamaralzaman hat Ehren,
Wo Badaura niemand kennt.
5. Vorschlag zu ferneren Übersetzungen des gleichenGedichts.
Eine lohnende Erschwerung und Steigerung (wie solche andere Über-setzungen Freiligraths, Em. Geibels, Emil I. Jonas' rc., sowie einzelnefreundliche Formen in den S. 196 erwähnten mustergültigen modernen Über-tragungen der griechischen Tragiker durch Marbach, Kayser rc. ersehen lassen)würde der Versuch freierer Übersetzungen ergeben. Bei solchen könnte auch derCäsurreim mit wechselndem Reimgeschlecht eingefügt werden, wodurch sich denndas Reimschema ubub ergeben würde.
Die obige Übersetzungsform der 1. Zeile („Als Mazarvan, jener Weise"),welche das einzig brauchbare, dem sournezrsä und durchaus zusagendeWort Reise als Reim-Echo empfiehlt, könnte möglicherweise einen brauchbarenCäsurreim in der 1. Strophe ergeben, wobei es sich selbstredend fragen müßte,ob der Inhalt der 2. und 4. Zeile dies gestattet u. s. w.
Wenn der Lernende nicht ermüdet in Versuchen, Änderungen, Wendungen,Umgestaltungen, Versetzungen rc. (wie wir diese unter Ziffer 4 anschaulich genuggezeigt haben), so wird ihm zweifelsohne auch eine freiere, dabei lesbare, inBezug auf Treue dennoch befriedigende Übersetzung (noch dazu mit Cäsur-reim) gelingen und ihn zu weiteren metrischen Übertragungen und Umbildungenermutigen.
6. Schlußbemerkung.
Man möge erkennen, daß ein — selbst von einem Meister übersetztesGedicht immer noch weitere Übertragungen zuläßt, und daß unsere elastischeSprache die allermannigfaltigsten Ausdrucksformen und Wendungen gestattet, ohnedaß sich der aus dem Handwerkertum des Reimsuchens emporringende Übersetzervom Geiste des Urbilds auch nur um eine Linie zu entfernen genötigt sieht.
Es ist selbstverständlich, daß dieses einzige Beispiel unsere S. 198 ff. ausden besten deutschen Übersetzungen abstrahierten Grundsätze nicht sämtlich zurAnschauung bringen konnte, ja, daß mancher der hier gezeigten Handgriffe nichtbei jeder metrischen Übersetzung zur Anwendung zu gelangen braucht.