Band 
[Zweiter und dritter Band.]
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Je mehr die Übung wächst, desto kühner wird der Übersetzer verfahren.Er wird sich später die wörtliche Übersetzung nicht mehr notieren, wenn er auchimmer erst lesend den Wortsinn sich herstellen und vor allem in den Geist desUrbilds dringen wird. Bei den einzelnen Übersetzungen werden ihm bald diese,bald jene unserer Grundsätze und Handgriffe willkommen sein; er wird sie an-wenden und in seinen Arbeiten allmählich jenen Vorbildern in der Kunst derÜbersetzung sich nähern, als deren erstes — auch was Selbstkritik betrifft —für lange Zeit am Übersetzcrhimmel strahlen wird: Ferdinand Freiligrath!

VI. Übersetzungsversuche aus verschiedenen Sprachen.

Wir beschränken uns in den nachstehenden Aufgaben auf jene Sprachen,aus welchen bisher fast ausschließlich übersetzt wurde, also auf die altklassi-schen Sprachen, aus die französische und englische, sowie auf dieitalienische, spanische, portugiesische und schwedische Sprache.

tz 83. Griechische Sprache.

L.. Übersetzungen aus der griechischen Epik.

Vorbemerkung. 1. Es ist selbstverständlich, daß ohne genaue Kennt-nis der homerischen Formenlehre und Syntax an eine fruchtbare Übersetzungnicht zu denken ist.

2. Weitere Voraussetzung ist genaue Bekanntschaft mit den von Homergeschilderten, gesellschaftlichen Zuständen und Verhältnissen, um den richtigenTon treffen zu können.

3. Es darf nie vergessen werden, daß Homer urantik ist.

4. Wenn irgend ein Dichter, so muß Homer möglichst treu, ja, wort-getreu übersetzt werden, damit die Kraft und Energie, die Durchsichtigkeit undPlastik, die Naivetät und Einfachheit der homerischen Vorstellungen sowie seinerRedeweise nicht verloren gehe. Der ganze Umfang des Sinnlichen, von demHomer seine Bilder nimmt, ist zu beachten.

5. Deshalb muß die Übersetzung — sozusagen — „homerische Färbung"bekommen.

6. Es muß sogar, soweit möglich, Satzkonstruktion und Wortstellung bei-behalten werden.

7. Man schenke den Gleichnissen Homers besondere Aufmerksamkeit.

8. Zur Übersetzung für die Anfänger empfehlen wir die ersten Gesängeder Jlias und das erste Buch der Odyssee.

9. Der Anfänger möge eine wortgetreue Übersetzung in Prosa versuchen.,

10. Hierauf vergleiche er die Ausgabe von I. H. Voß und versucheVoßens Härten zu vermeiden.