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Dichten und Trachten des sogenannten „dritten" Standes-beherrschen, kann er dem dämonischen Reiz der Theater-welt nicht widerstehen. Goethe's „Wilhelm Meister",Tieck's „junger Tischlermeister" sind vollgültige Beweisefür diese Macht und diesen Einfluß. Die Debatten überein neues Stück, die heftige Parteiung für oder widereinen Schauspieler, Coülissenanekdoten werden das geistigeElement, in dem ein ganzes Volk lebt. Jeder, der einenFunken des Genius in sich fühlt, drängt der Bühne zu^als Dichter, Schauspieler, Operncomponist, Kritiker, De-korationsmaler: Schinkel hat Dekorationen gemalt. Diewichtigste Grundlage, ja das Fundament der Kulturent-wickelung unserer Nation ist seit 1763 das Theater ge-wesen: damals hat es Friedrich den Einzigen und nachmalsdie Volksbewegung gegen die Franzosen abgelöst; in demeinen wie in dem andern Falle find auf die Helden undStaatsmänner die Dichter und die Schauspieler gefolgt.Wenn wir nun doch kein nationales Drama, wie die Eng-länder und Spanier, nicht einmal eine so eng mit demVolksleben verwachsene Bühne, wie die Franzosen, alsPreis unserer Mühen errungen haben, so finde ich denentscheidenden Grund dieser traurigen Erscheinung inunserer politischen Zersplitterung. Denn diese politischeTrennung rief mit staatlichen und kirchlichen Gegensätzenauch durchgreifende Verschiedenheiten des Geschmacks, derkünstlerischen Auffassung hervor. Noch heute stehen Wienund Berlin in einem solchen Gegensatz. Statt sich ineiner Stadt, in einem Brennpunkt zu sammeln und zuverdichten, wie ehemals in London, in Madrid und nochimmer in Paris, zerstreute sich das Theaterinteresse unseresVolkes hierhin und dorthin. Kleine Städte wie Mannheim